
Fantasien mit deinem Partner zu teilen braucht Mut, aber es baut Vertrauen und Intimität auf. Victor erklärt, wie das sicher und aufregend gelingt.

Glossar
Ein Blatt Papier, das am leichtesten macht, was Menschen am schwersten fällt: laut zu sagen, was sie wollen.
Eine Kinklist (englisch: kink list) ist eine Liste sexueller und BDSM-Handlungen, bei der du Zeile für Zeile angibst, ob es für dich ein Ja, ein Vielleicht oder ein Nein ist, meist auch getrennt für Geben und Nehmen. Eine Kinklist legt nichts fest, sie liefert die Worte für das Gespräch, das darauf folgt.
| Englischer Begriff | Kink list. In der Sexualaufklärung heißt dasselbe Instrument eine yes no maybe list, und diese Version ist nicht auf BDSM zugeschnitten |
| Auch bekannt als | Checkliste, Auswahlliste und Yes/No/Maybe-Liste; die ausgefüllte Hälfte je Rolle heißt Domliste oder Subliste |
| Was du je Zeile einträgst | Ja, Vielleicht oder Nein, und getrennt für Geben und Nehmen |
| Kategorie | Werkzeug für Consent: Es bildet deine Grenzen und Limits je Handlung ab |
| Nicht zu verwechseln mit | dem BDSM-Test, der ein Ergebnis in Prozenten liefert statt Absprachen |
| Größte Falle | zwei Menschen, die dasselbe Kästchen ankreuzen und etwas anderes darunter verstehen |
Wie ein Einkaufszettel, nur mit Hunderten Zeilen.
Das bekannteste Beispiel kannst du frei lesen. Heather Corinna und CJ Turett veröffentlichten 2010 auf Scarleteen eine Liste, die immer noch aktualisiert wird, mit Blöcken zu Körpergrenzen, Anredeformen, Beziehungsformen und Handlungen. Innerhalb jedes Blocks stehen die Zeilen paarweise: “ein Partner, der mich sexuell berührt, ohne zu fragen” steht getrennt von “einen Partner sexuell berühren, ohne zu fragen”.
Der Antwortcode geht über Ja, Nein und Vielleicht hinaus. Corinna und Turett ergänzen ihn um IDK für “keine Ahnung”, F für etwas, worüber du zwar fantasierst, es aber nicht tun willst, und N/A für das, was nicht auf dich zutrifft. Vor allem dieses F leistet Arbeit: Menschen verwechseln laut den Autoren Fantasie und Wunsch, und wer diesen Unterschied anerkennt, nimmt Druck aus dem Teilen.
Sie gibt dir eine Speisekarte für etwas, worüber du meist ohne Speisekarte sprichst.
Dieses Bild stammt von den Machern der Scarleteen-Liste selbst: über das zu reden, was du willst, ohne Überblick über das, was es gibt, fühlt sich für sie an wie im Restaurant bestellen, ohne die Karte gesehen zu haben. Eine Kinklist löst zwei Dinge auf einmal. Du musst nichts aus dem Nichts erfinden, und du musst es beim ersten Mal nicht laut sagen.
Genau da liegt auch die Schwachstelle. Cara Dunkley und Lori Brotto weisen in ihrem Überblick über die Consent-Literatur in Sexual Abuse darauf hin, dass es nicht reicht, dass zwei Menschen sich einig sind, welche Handlungen erlaubt sind; sie müssen ihnen auch dieselbe Bedeutung geben. Zwei Kreuze bei “Spanking” können einen Schlag mit der flachen Hand meinen und eine halbe Stunde mit einem Paddle.
Weil Schreiben weniger beängstigend ist als Sagen.
Wer etwas seit zwanzig Jahren nicht ausgesprochen hat, tut das auch nicht, weil sich die Gelegenheit ergibt. Ein Kästchen ankreuzen geht schon eher: allein, ohne Gesicht gegenüber. Das verlegt den schwersten Schritt aufs Papier.
Dazu gehört gleich eine Anmerkung. Diese Zahlen sind Zusammenhang und keine Ursache: daraus folgt nicht, dass eine ausgefüllte Liste im Bett etwas ändert. Und eine Kinklist ist nichts für ein erstes Date. Corinna und Turett schreiben ausdrücklich dazu, dass ihr euch schon eine Weile kennen müsst, bevor so eine Liste zwischen euch liegen kann.
Erst allein, dann zusammen, in dieser Reihenfolge.
Corinna und Turett stellen diesen Schritt an den Anfang: nimm dir Zeit, füll sie allein aus, und antworte für dein Leben, so wie es jetzt ist. Erst danach legst du die zwei Listen nebeneinander. Dass es das Instrument heute auch als App gibt, ändert daran wenig; laut dem enzyklopädischen Eintrag über die Yes-No-Maybe-Liste liegt der Gewinn dieser digitalen Formen gerade darin, dass du getrennt antwortest und danach vergleichst.
Das Gespräch danach läuft fast immer gleich. Die Jas gehen schnell, die Neins noch schneller, und dann bleibst du eine halbe Stunde bei den Vielleicht-Zeilen hängen. Das ist der Ertrag, kein Zeitverlust. Ein Vielleicht ist bei Corinna und Turett nämlich kein halbes Ja, sondern ein “ich könnte” mit einer Bedingung dran: mit bestimmten Menschen, oder nur zu bestimmten Momenten.
“Eine ausgefüllte Kinklist ist Einverständnis.” Nein. Corinna und Turett beschreiben solche Listen als Ausgangspunkte und ausdrücklich nicht als Ziellinie, und schreiben dazu, dass sich deine Antworten ändern werden. Ein Kreuz ist ein Ausgangspunkt für ein Gespräch, kein fortlaufendes Ja. Was Einverständnis wirklich ist, steht bei Consent.
“Nur die empfangende Seite füllt sie aus.” Eine Kinklist ist rollenneutral: dieselbe Liste wird von beiden Seiten ausgefüllt, und die Version dessen, der die Führung übernimmt, heißt Domliste.
“Je länger die Liste, desto besser die Absprache.” Laut Dunkley und Brotto wiegt die geteilte Bedeutung der Worte mindestens so schwer wie die Frage, welche Worte draufstehen. Fünfzig Zeilen, die ihr beide gleich versteht, sind mehr wert als vierhundert schnell abgehakte.
Ich bin Victor, Gigolo, fünfundzwanzig Jahre in BDSM und ausgebildet als Psychotherapeut. Ausgefüllte Listen bekomme ich regelmäßig geschickt, und das Muster darin ist konstant.
Die Neins stehen scharf da, die Jas auch. Die Vielleicht-Spalte ist fast immer am dünnsten ausgefüllt, obwohl gerade dort der interessanteste Teil des Abends liegt. Was ich sehe: Menschen benutzen “vielleicht” als höfliche Form von Nein, obwohl es für “ja, sofern” gedacht ist.
Das Zweite, das mir geblieben ist: die Worte auf so einer Liste meinen längst nicht dasselbe. Bei den Zeilen, auf die es wirklich ankommt, frage ich deshalb nach: “und wie sieht das für dich aus”. Meist kommt ein Bild, das von dem abweicht, was ich mir dazu gedacht hatte.
Auf dieser Seite geht der Artikel über das Teilen von Fantasien um das Gespräch, für das so eine Liste das Werkzeug ist, und Consent erklärt, warum eine ausgefüllte Liste kein Einverständnis ist.
Außerhalb dieser Seite ist die Liste von Scarleteen der Ort, um gleich eine zu lesen und auszudrucken, auch wenn sie breiter ist als nur Kink. Was zum Reden über Sex gemessen wurde, steht bei Mallory, Stanton und Handy.
Die meisten Menschen scheitern nicht an der Liste, sondern an dem Gespräch danach, und das geht leichter mit jemandem, den nichts davon überrascht. Wie so ein Vorgespräch abläuft, steht auf der Seite über das BDSM-Date.
Häufige Fragen
Eine Kinklist ist eine Liste sexueller und BDSM-Handlungen, bei der du Zeile für Zeile einträgst, ob es für dich ein Ja, ein Vielleicht oder ein Nein ist, meist auch getrennt für Geben und Nehmen. Die Liste legt nichts fest: Sie liefert die Worte für das Gespräch, das darauf folgt. Die Version, die derjenige ausfüllt, der die Führung übernimmt, heißt Domliste.
Erst allein, dann zusammen. Heather Corinna und CJ Turett, die die bekannteste Liste geschrieben haben, raten dir, dir Zeit zu nehmen und für dein Leben zu antworten, so wie es jetzt ist. Leg danach die beiden ausgefüllten Listen nebeneinander und fang bei den Zeilen an, wo ein Vielleicht steht, denn da liegt das Gespräch.
Ein Vielleicht ist kein halbes Ja, sondern ein Ja mit einer Bedingung dran: mit bestimmten Menschen, zu bestimmten Momenten oder unter bestimmten Umständen. In der Praxis benutzen viele die Vielleicht-Spalte als höfliche Form von Nein. Behandle deshalb jedes Vielleicht als Nein, solange die Bedingung dazu nicht ausgesprochen ist.
Nein. Corinna und Turett nennen solche Listen ausdrücklich Ausgangspunkte und keine Ziellinie, und schreiben dazu, dass sich deine Antworten ändern werden. Ein Kreuz auf einer Kinklist ist ein Ausgangspunkt für ein Gespräch, kein fortlaufendes Ja. Was Einverständnis wirklich bedeutet, steht auf der Seite über Consent.
Bei Victor, Gigolo mit fünfundzwanzig Jahren Erfahrung in BDSM und einem Hintergrund als Psychotherapeut. Ihm werden solche Listen wöchentlich geschickt, und er erklärt dir unverbindlich, wie du eine Zeile ansprechbar machst, bei der du selbst nicht weiterkommst. Stell deine Frage über das Kontaktformular oder geh erst kostenlos chatten.
Blog
Eine Kinklist ist das Werkzeug, das Gespräch danach ist die Arbeit. Diese drei Artikel handeln von diesem Gespräch.

Fantasien mit deinem Partner zu teilen braucht Mut, aber es baut Vertrauen und Intimität auf. Victor erklärt, wie das sicher und aufregend gelingt.

Kommunizieren mit einem Gigolo beginnt vor dem Date. Wünsche teilen, Grenzen klären und Vertrauen aufbauen, bevor du buchst.

Wheel of Consent: vier Quadranten, die klar machen, wer was tut und warum, beim ersten Mal oder nach einer schlimmen Erfahrung.
Passender Service
Meine eigene Liste steht online, mit Zeile für Zeile, was ich damit mache. Auf der Service-Seite steht, wie wir sie neben deine legen.

Ein BDSM-Gigolo mit 25 Jahren Erfahrung. Sicher, intensiv, immer in deinen Grenzen. Von sanfter Bondage bis Dominanz. Gigolo buchen? Schreib mir.
Mehr erfahren
Ich bin Victor, und ich lese solche Listen jede Woche. Bleibst du bei einer Zeile hängen oder weißt du nicht, was du mit der Vielleicht-Spalte anfangen sollst, dann denke ich unverbindlich mit. Frag ruhig, ich schreib dir in Ruhe zurück.
Eine Frau oder ein Paar? Schön, dass du da bist, geh einfach weiter.