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Glossar

Frenzy

Alles zugleich wollen, sofort: das Muster, das fast jedem am Anfang passiert und das selten als Muster erkannt wird.

Was ist Frenzy?

Frenzy (englisch: identisch; in der Szene meist sub frenzy) ist der Rausch, in dem jemand, der gerade mit BDSM anfängt, alles zugleich will: jetzt einen Partner finden, jetzt alles Mögliche ausprobieren, jetzt sofort. Frenzy ist keine Praxis, sondern ein Gemütszustand, und die Eile, die dazugehört, ist das Risiko. Es passiert auch Menschen, die nach Jahren neu anfangen.

Englischer Begriffidentisch; die Szene spricht von sub frenzy, bei einer ersten Begegnung von new sub frenzy, und auf der gebenden Seite manchmal von dom frenzy
KategorieMuster am Anfang eines BDSM-Wegs, keine Handlung und keine Rolle
Wem es passiertvor allem wer gerade anfängt, aber auch wer nach einer Pause, einer Trennung oder einer Zeit ohne alles zurückkommt
Nicht zu verwechseln mitDrop, dem Rückschlag nach einer Erfahrung; Frenzy sitzt davor. Und mit NRE, das um eine neue Person geht statt um ein neues Thema
Wichtigstes Risikodass das Tempo die Vorbereitung überholt, gerade bei Menschen, die die Szene noch nicht kennen
Was die Forschung sagtunter diesem Namen gibt es keine wissenschaftliche Literatur; was darunter liegt, ist sehr wohl gemessen

Wie Frenzy in der Praxis aussieht

Frenzy erkennst du am Tempo, nicht am Inhalt.

Der übliche Ablauf ist dieser. Jemand liest wochenlang, legt ein Profil an und hat binnen ein paar Tagen drei Gespräche laufen. Der Fragebogen, den sie sorgfältig ausgefüllt hatte, bleibt ungenutzt, weil das Gespräch schon beim Verabreden ist.

Ein Treffen bei jemandem zu Hause, noch diese Woche, fühlt sich nicht wie ein Risiko an, sondern wie endlich. Wer von außen darauf schaut, sieht etwas anderes. Alles, was normal Wochen dauert, passiert in vier Tagen.

Frenzy ist nicht dasselbe wie viel wollen. Der Unterschied liegt in dem, was wegfällt: das Nachfragen, und dieses zweite Gespräch. Genau die Dinge, die Zeit kosten und an denen nichts aufregend ist.

Warum Frenzy gerade bei Anfängern zuschlägt

Weil jahrelang ein Deckel darauf lag und der auf einmal abgeht.

Der Name kommt aus der Szene selbst und nicht aus einem Wörterbuch oder einer Studie. Es gibt keinen Urheber, und es gibt keinen wissenschaftlichen Artikel, der das Phänomen unter diesem Namen beschreibt. Was es gibt, handelt vom Mechanismus darunter.

Was nicht darunter liegt, ist eine Störung. Wismeijer und Van Assen verglichen in The Journal of Sexual Medicine 902 BDSMler mit 434 anderen und fanden ein günstigeres Profil, weniger neurotisch, offener für neue Erfahrungen, höheres Wohlbefinden.

Ihr Schluss ist, dass BDSM eher eine Form von Freizeitgestaltung ist als der Ausdruck von etwas Pathologischem. Der Hunger unter Frenzy ist also einfach Hunger. Das Tempo ist das Problem, nicht der Wunsch.

Was Frenzy bringt, und was es kostet

Der Rausch tut auch etwas Gutes, und das ist der Grund, dass niemand ihn sofort abbremsen will.

Frenzy macht Mut. Menschen, die jahrelang nichts zu sagen wagten, sagen in diesen Wochen laut, was sie wollen, schreiben es auf und gehen irgendwohin. Diese Energie ist brauchbar, und ohne diesen Anstoß bleibt es beim Lesen.

  • Für den, der gerade anfängt, bringt Frenzy den Schub, der den Unterschied macht zwischen Wissen, was du willst, und es Aussprechen.
  • Für einen Partner, der mitliest, macht Frenzy auf einmal sichtbar, was schon Jahre darunter lag, was ein Gespräch bringt, das sonst nicht kam.
  • Für den, der nach einer Trennung zurückkommt, ist die Energie vertraut und der blinde Fleck größer, denn die Erfahrung von früher fühlt sich wie Schutz an.

Was es kostet, steht in den Zahlen. In der Umfrage der NCSF unter 4.598 BDSMlern, zusammengefasst von Dunkley und Brotto in Sexual Abuse, meldeten 24 Prozent, dass vorher abgesprochene Grenzen während einer Sitzung überschritten wurden, und 13 Prozent, dass ihr Stoppwort nicht respektiert wurde. Von dieser Gruppe sagte einer von vieren, dass es passierte, bevor sie bei der BDSM-Gemeinschaft dabei waren. Das ist genau das Fenster, in das Frenzy fällt.

Wie Frenzy meist verläuft

In Wellen, und selten in einer geraden Linie.

  1. Die Entdeckung. Lesen, schauen, wiedererkennen. Noch nichts außerhalb deines Kopfes.
  2. Die Beschleunigung. Profil angelegt, Gespräche offen, irgendwo eine Adresse. Hier geht es von Wochen zu Tagen, und hier fällt die Vorbereitung weg.
  3. Der Zusammenstoß oder die Landung. Entweder passiert etwas, das nicht stimmt, oder jemand bremst ab. Im ersten Fall folgt oft eine Zeit, in der nichts mehr sein muss.

Wer ohne Schrammen durchkommt, blickt meist mit Fremdscham darauf zurück. Das ist schade, denn der Wunsch war in Ordnung.

Was Frenzy nicht ist

“Ich bin einfach begeistert.” Kann sein, und der Unterschied lässt sich machen. Begeisterung überlebt Aufschub; Frenzy nicht. Wer ein Treffen zwei Wochen später auch noch will, war nicht im Rausch.

“Erfahrene Menschen haben damit nichts zu tun.” Frenzy kommt auch nach einer Pause, einer Trennung oder einer langen Zeit, in der eine bestehende Beziehung nichts bot.

“Wenn ich die Regeln kenne, bin ich sicher.” Regeln bewegen sich mit dem, wen du vor dir hast. Tarleton, Mackenzie und Sagarin legten 202 BDSMlern vor, wie Konsensgespräche laufen sollten, und fanden, dass die Normen breit getragen werden, in bestehenden Beziehungen aber lockerer sein dürfen als bei Menschen, die einander gerade erst kennen. Für einen Anfänger gilt also die strengste Variante: alles besprechen, und kein Alkohol bei diesem Gespräch. Dunkley und Brotto stellen dasselbe von der anderen Seite fest, nämlich dass der Umfang des Vorgesprächs sich damit bewegt, wie gut die Spielenden einander kennen und wie riskant die Aktivität ist.

“Frenzy ist dasselbe wie ein Tief.” Nein. Drop ist der Rückschlag hinterher. Frenzy sitzt davor, und die beiden wechseln sich bei derselben Person oft ab.

Was ich selbst davon sehe

Ich bin Victor, Gigolo, fünfundzwanzig Jahre aktiv im BDSM und ausgebildet als Psychotherapeut. Frenzy ist das Muster, das ich am häufigsten sehe und das Frauen am seltensten beim Namen kennen. Die Nachricht, die ich bekomme, lautet selten “ich will das ausprobieren”, sondern fast immer “ich will das jetzt”.

Es geht fast nie um Sex. Es geht um Jahre, in denen jemand nicht darüber sprach, und diese Jahre kommen in zwei Wochen heraus.

Was hilft, ist nicht abbremsen, sondern verlangsamen mit einem Grund. Ich schlage vor, erst einmal nur zu reden. Wer das für Verschwendung hält, ist im Rausch; wer es als Erleichterung empfindet, ist schon wieder heraus.

Was du selbst tun kannst

  • Leg eine Woche zwischen den Entschluss und das Treffen. Willst du es dann noch, ist es dein Wunsch und nicht dein Tempo.
  • Führ das Vorgespräch nüchtern und getrennt, also nicht am Abend selbst und nicht mit einem Glas dabei.
  • Sag einer Person, wohin du gehst und mit wem, und vereinbare eine Zeit, zu der du meldest, dass du zu Hause bist.
  • Fang mit dem Leichtesten an, das dir einfällt, auch wenn sich das wie Zeitverlust anfühlt. Was du am Anfang überspringst, begegnet dir später wieder.
  • Sei misstrauisch bei Eile des anderen. Wer sich keine Zeit für ein Vorgespräch nehmen will, gibt dir damit die wichtigste Information, die du bekommst.

Mehr über Frenzy erfahren

Auf dieser Seite steht bei Check-in, wie du zwischendurch überprüfst, und der Artikel über BDSM für Anfängerinnen handelt von einem ersten Mal ohne Eile.

Außerhalb dieser Seite gibt der Überblick von Dunkley und Brotto die beste Beschreibung dessen, was schiefgeht und warum, und die Studie von Wismeijer und Van Assen zeigt, dass die Neugier darunter nichts ist, wofür du dich schämen musst.

Wo das auf dieser Seite passt

Steckst du in diesem Muster und willst ein erstes Mal, das nicht von einem Fremden mit Eile abhängt, dann ist ein Gespräch der logische erste Schritt. Auf der Seite über das BDSM-Date steht, wie so ein Abend vorbereitet wird und was vorher durchgegangen wird.

Quellen

  • The Role of Consent in the Context of BDSM. Cara R. Dunkley & Lori A. Brotto, Sexual Abuse 32(6), 657–678, 2020. Liefert die NCSF-Umfrage unter 4.598 BDSMlern mit 24 Prozent überschrittenen Grenzen und 13 Prozent ignorierten Stoppwörtern, die Feststellung, dass einer von vieren dieser Gruppe es vor der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft erlebte, und dass der Umfang des Vorgesprächs sich mit der Vertrautheit zwischen den Spielenden und dem Risiko der Aktivität bewegt.
  • Consent Norms in the BDSM Community: Strong But Not Inflexible. Tarleton, Mackenzie & Sagarin, Archives of Sexual Behavior 54(2), 549–559, 2025. Liefert die 202 Teilnehmenden, die breite Zustimmung zu strengen Konsensnormen, die größere Nachgiebigkeit in länger laufenden Beziehungen als bei Menschen, die einander gerade kennen, und dass Alkohol bei so einem Gespräch in einer bestehenden Beziehung eher als akzeptabel gilt als bei einem neuen Kontakt.
  • Psychological characteristics of BDSM practitioners. Wismeijer & Van Assen, The Journal of Sexual Medicine 10(8), 1943–1952, 2013. Liefert den Vergleich von 902 BDSMlern mit 434 anderen, ihren niedrigeren Neurotizismus, ihre größere Offenheit für neue Erfahrungen und ihr höheres Wohlbefinden, und die Schlussfolgerung, dass BDSM eher eine erholsame Freizeitgestaltung ist als Psychopathologie.

Verwandte Begriffe

  • Consent. Die Absprache, die als Erstes fällt, wenn das Tempo gewinnt.
  • Check-in. Das Werkzeug, das eine zu schnell getroffene Absprache doch noch anpassen kann.
  • Drop. Der Rückschlag hinterher, der bei Menschen im Frenzy härter ankommt, weil nichts aufgebaut ist.
  • Aftercare. Der Teil, der in der Eile als Erstes übersprungen wird.
  • NRE. Dieselbe Eile, aber auf eine neue Person gerichtet, und mit Hormonmessungen dazu.
  • Subdrop. Das Tief hinterher, das mit dem Rausch vorher verwechselt wird.
  • Subspace. Der Zustand während der Szene, der ebenfalls damit verwechselt wird.
  • Topdrop. Der Rückschlag auf der ausführenden Seite, mit dem Vergleich aus dem Sport dazu.

Häufig gestellte Fragen

Was Menschen noch über Frenzy fragen.

  1. Was ist Frenzy?

    Frenzy, in der Szene meist sub frenzy genannt, ist der Rausch, in dem jemand, der gerade mit BDSM anfängt, alles zugleich will: jetzt einen Partner, jetzt alles Mögliche ausprobieren, jetzt sofort. Frenzy ist keine Praxis, sondern ein Gemütszustand, und die Eile ist das Risiko.

  2. Wie erkennst du sub frenzy bei dir selbst?

    Am Tempo, nicht am Inhalt. Bei Frenzy fallen das Nachfragen und das zweite Gespräch weg, und was normal Wochen dauert, geht in ein paar Tagen. Der einfachste Test ist Aufschub: Ein Treffen, das du zwei Wochen später auch noch willst, kommt nicht aus dem Rausch.

  3. Warum ist Frenzy riskant?

    Weil das Tempo die Vorbereitung überholt, gerade wenn du die Szene noch nicht kennst. In der NCSF-Umfrage unter 4.598 BDSMlern, zusammengefasst von Dunkley und Brotto, meldeten 24 Prozent überschrittene Grenzen und 13 Prozent ein ignoriertes Stoppwort, und einer von vieren dieser Gruppe erlebte es, bevor sie bei der Gemeinschaft dabei waren.

  4. Wie bremst du Frenzy ab, ohne die Lust zu verlieren?

    Leg eine Woche zwischen den Entschluss und das Treffen, und führ das Vorgespräch nüchtern und zu einem anderen Zeitpunkt als am Abend selbst. Sag jemandem, wohin du gehst. Der Wunsch muss nicht weg; nur das Tempo geht heraus.

  5. Was ist der Unterschied zwischen Frenzy und Drop?

    Frenzy sitzt davor, Drop kommt danach. Frenzy ist der Rausch, in dem du alles zugleich willst; Drop ist der Rückschlag nach einer intensiven Erfahrung. Bei derselben Person wechseln sie sich oft ab.

  6. An wen kannst du dich mit Fragen zu Frenzy wenden?

    Bei Victor, Gigolo mit fünfundzwanzig Jahren Erfahrung im BDSM und einem Hintergrund als Psychotherapeut. Frenzy ist das Muster, das er am häufigsten sieht und das am seltensten beim Namen genannt wird, also musst du nichts dazu erklären. Unverbindlich eine Nachricht schicken kannst du über das Kontaktformular oder erst kostenlos chatten.

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