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Podcast-Interview: Victor über Trios, Pärchenclubs und Spaghetti-Sex

Ein Trio mit einem Gigolo im Pärchenclub

Jolanda vom Podcast von Brabants Meisje interviewt Victor über seinen ersten Pärchenclub, über Trios und Spaghetti-Sex, und darüber, wie er Paare begleitet. In einer nächsten Folge gehen sie tiefer in die Welt des BDSM. Das folgende Gespräch ist verschriftlicht und für die Lesbarkeit leicht bearbeitet.

Lieber hören als lesen? Interview anhören


Das Date, das alles veränderte

Jolanda: Heute sitzt mir ein Gigolo gegenüber, und vor allem ein Mann mit einer besonderen Geschichte. Victor war früher extrem schüchtern, der Typ, der lieber beobachtete, als selbst auf jemanden zuzugehen. Bis zu einer neugierigen Entscheidung: eine Anzeige von einem Paar, das einen Mann dazu suchte. Bei diesem Date hast du etwas Besonderes geschehen sehen. Du hast einen Mann gesehen, der eine Frau geschlagen hat, und danach hast du bei dieser Frau einen Blick voller Liebe und Sanftheit gesehen.

Richtig. Ich fand es sehr schön, das zu sehen. Ich kannte diese Welt noch nicht, das war für mich alles neu. Er hat sie geschlagen. Und später saßen wir zu dritt in der Wanne, und sie sah ihn ganz verliebt an. Sehr viel Zuneigung, sehr viel Intimität. Ich dachte: Das verstehe ich nicht, davon will ich mehr wissen.

Vor allem, wenn du es noch nie gesehen hast, ist das ein besonderer Eindruck.

Ja, denn ich bin so erzogen worden: Mädchen schlägt man nicht.

Und von da aus, von diesem schüchternen Jungen, hat deine Entdeckungsreise begonnen.

Ja, ich bin in der Hinsicht ein bisschen ein Spätzünder. Nach diesem Date dachte ich: Da will ich mehr erkunden. Dann habe ich mir auch mal Anzeigen von Pärchenclubs angesehen.


Das erste Mal in einem Pärchenclub

Und bist du auch hingegangen?

Ich fand es fürchterlich aufregend. Ich traute mich nicht, ich gehe nicht hin. Ich hatte schon sehr oft gedacht: Es ist Samstag, aber diesen Samstag kann ich zum Glück nicht.

Aber am Ende hast du dich doch getraut.

Am Ende schon, bin dorthin gefahren, und ich schwitzte Blut und Wasser. Das Herz schlug mir bis zum Hals. Ich kann mir die Situation auch sehr gut vorstellen: irgendwo in einem Dorf. Ich parke mein Auto wirklich drei Straßen weiter. Ich nehme meinen Führerschein und Bargeld mit, denn ich hatte gelesen, dass ich mich ausweisen musste. Ich lege meinen Autoschlüssel auf meinen linken Hinterreifen und schließe das Auto ab, damit ich, falls etwas Ernstes passiert, jederzeit zu meinem Auto rennen, es aufschließen und wegfahren kann.

Das ist schon eine besondere Vorbereitung.

Ich dachte: Für welche kriminelle Organisation spiele ich hier eigentlich? Ich fand es aufregend, aber ich dachte: Treffen wir wenigstens die Vorbereitungen, die ich treffen kann.

Und wie war es am Ende drinnen?

Sehr entspannt. Anfangs war ich beim Reinkommen noch sehr nervös. Vor der Tür steht natürlich ein großer Türsteher, aber der war einfach sehr freundlich. Zur Bar gegangen, ein Getränk bestellt und erst mal alles sacken lassen. Kurz umsehen. Als sich alles ein bisschen gelegt hatte, traute ich mich herumzulaufen. Ich dachte: Okay, das ist ganz in Ordnung, hier traue ich mich weiterzuschauen.


Du musst dort gar nichts

Hattest du an dem Abend auch Aktion?

Nein. Ich war insgesamt ein paar Mal in einem Pärchenclub. Der erste Abend war einfach Umsehen: Was sind hier die sozialen Regeln, wie gehen die Menschen miteinander um?

Und das fühlte sich okay an, dass du nichts gemacht hast? Oder hattest du das Gefühl, etwas zu tun, das sich nicht gehört?

Absolut nicht. Ich hatte schon auf Sex gehofft, deshalb bin ich hingegangen. Aber ich fand es nicht schlimm, dass es nicht passierte, und ich fühlte mich deswegen überhaupt nicht schlecht.

Das ist ein wichtiger Punkt, denn Menschen haben oft die Vorstellung, dass es irgendwie Pflicht sei.

Du musst wirklich nichts. Gut, dass du das sagst, denn das finde ich sehr wichtig: dass die Menschen wissen, dass du bei dir bleiben darfst.


Trios, Quartette und Spaghetti-Sex

Du hast auch Trios und Quartette ausprobiert, bevor du in den BDSM gegangen bist.

Ja, ich habe so viel wie möglich ausprobiert. Ein Trio finde ich sehr schön. Du nennst es Spaghetti-Sex?

Zu dritt nenne ich es noch nicht unbedingt Spaghetti, aber es ist dieselbe Idee: dass ihr wirklich zu dritt miteinander beschäftigt seid. Wenn du mit drei Paaren zusammen bist und es wird ein Mischmasch, dann nenne ich es Spaghetti-Sex. Und zu dritt hast du das natürlich auch schnell.

Zu dritt finde ich das schön, ja. Ich habe auch Trios gemacht, bei denen ich mit zwei Frauen gespielt habe, oder zwei Männer und eine Frau, aber das ist doch eher eins zu eins, statt zu dritt zusammen zu spielen. Das finde ich weniger schön. Genauso beim Quartett: Dann spielst du mit jemand anderem, aber eigentlich sind es einfach zwei Duos.

Das finden wir also auch schade. Wenn es nur Partnertausch ist, dann haben wir so ein Gefühl: Es ist schöner, wenn es ein Mischmasch ist. Und das passiert eher mit mehr Menschen. Dann ist es nicht so: Ich bin mit diesem Mann beschäftigt, also muss diese Frau mit meinem Partner beschäftigt sein.

Das nennst du einen sehr schönen Punkt. Denn dann bekommst du sehr stark diese Wenn-dann-Geschichte.

Und dann fühlst du Verpflichtungen. Es gibt wirklich Situationen, in denen ein Paar das erwartet. Es sollte nie so sein, dass du eine Gegenleistung erbringst, oder dass, wenn du oral machst, der andere das auch tun muss. All dieses Müssen, all diese Erwartungen, sollten eigentlich einfach weg.

Da bin ich einverstanden. Ich finde: In einer Beziehung muss nichts. Ob das nun eine Eins-zu-eins-Beziehung ist oder ein Spiel mit mehreren Menschen. Man stimmt Dinge miteinander ab: Das machen wir, das sind die Rahmen, das finden wir schön. Aber nichts muss. Ihr macht eure eigenen Regeln.


Warum BDSM mehr Freiheit gibt

Du hast alles erlebt: Pärchenclub, Trio, Quartett. Aber am Ende ist BDSM das, was für dich funktioniert.

Ja, das gibt mir mehr Freiheiten. Es gibt mir sozusagen mehr Spielgeräte. Mein Spielplatz ist größer.

Was meinst du damit?

Meine Erfahrung in einem Pärchenclub ist, dass es vor allem um den Sex geht. In der BDSM-Welt und auf den Partys dort geht es viel mehr um die Verbindung. Das finde ich sehr schön.


Wie Victor Gigolo wurde

Irgendwo auf dieser Entdeckungsreise hast du auch deine heutige Frau kennengelernt und bist Gigolo geworden. Gib mal die kurze Version.

Ich liebe Spannung. Ich mag Spannung und neue Dinge zu tun, das habe ich mein ganzes Leben gemacht. Irgendwann war ich am Daten und lernte meine Frau kennen. Irgendwann sagte sie: Ich komme so schön bei dir nach Hause, es fühlt sich so akzeptiert an.

Dass sie ganz sie selbst sein kann.

Genau. Und für mich war das so: Das ist normal, was ich tue. Nicht um es kleinzureden, aber das hörte ich öfter. Dann sagte sie: Mehr Frauen hätten etwas davon. Das war auch der Moment, in dem ich dachte: Was kann ich jetzt noch an spannenden Dingen tun? Nun, vielleicht können wir das mal ausprobieren. Und in meinem Alltag, wenn ich kein Gigolo bin, bin ich Psychotherapeut. Ich weiß also ein bisschen, wie Menschen ticken.

Das scheint mir eine schöne Ergänzung zum Gigolo.

Gerade um diese Verbindung zu schaffen. Und um dann darum herum zu spielen: Was ist okay, was ist nicht okay, wo liegen Grenzen. Diese Grenzen immer sehr zu würdigen und darin sehr viel zu kommunizieren. Da dachte ich: Dann legen wir mal los. Eine Website online, und wir sehen, was passiert.


Wo findest du eine dritte Person?

Viele Menschen fragen sich: Ich hätte gern eine zusätzliche Person dabei, aber wo treffe ich die?

Im Laden zusätzliche Männer, aber ich weiß nicht, in welchem Regal die stehen. Kurz bei Albert Heijn fragen: Wo stehen hier die zusätzlichen Männer?

Ja, und dabei liegt er andersherum in deinem Einkaufswagen. Nicht unbedingt der perfekte Weg, glaube ich. Es gibt natürlich Datingseiten, aber das ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Und du kannst dich trauen und in einen Pärchenclub gehen, aber dann ist dieser Schritt auch wieder aufregend. Es gibt also auch Paare, die dir mailen oder anrufen.

Ja. Und gut, um darauf zurückzukommen, warum ich Gigolo geworden bin: Ich sagte auch zu meiner Frau, dass Frauen doch so leicht an Sex kommen? Die gehen in eine Kneipe und sagen: Sex, bitte. Und dann stehen achtzehn Männer Schlange. Sie sagte: Nicht jede Frau tickt so, der Match muss stimmen, es muss klicken, und jemand muss zuhören können. Das ist dasselbe, wenn es um diese dritte Person geht. Wenn du eine Anzeige aufgibst, oder du reagierst auf eine Anzeige, dann ist immer noch die Frage: Was für ein Mensch ist das? Klickt es? Kann er kommunizieren, kann er Grenzen benennen, kann er auf Grenzen hören?

Wenn du jemanden einfach irgendwo aufgabelst, gehören Kommunizieren und Zuhören bei vielen Menschen nicht standardmäßig zum Paket.

Nein, das glaube ich auch nicht.


Warum Bezahlen es leichter macht

Ich habe es schon mal erlebt, bei einem Date mit einer Frau allein. Wir starten das Spiel, ich fange an, ein paar Dinge zu tun. Irgendwann sagt sie: Stopp, stopp, stopp, ich will nicht mehr. Das ist völlig in Ordnung, für sie war das in dem Moment genug. Aber gabel jemanden von der Straße auf, oder reagiere auf eine Anzeige und lade jemanden ein, und sag das dann mitten drin.

Dann fühlst du den Druck, dass der andere das ganze Paket erwartet.

Dann will der andere weitermachen. Oder er kann zwar zuhören, geht aber enttäuscht nach Hause. Und wo dann auch noch der Druck liegt: Traue ich mich zu sagen, dass es mir genug ist?

Das ist beängstigender, ja. Du willst niemanden verletzen. Während, wenn du für jemanden bezahlst: Du hast bezahlt. Ich habe selbst ziemliche Mühe mit Empfangen, oder zumindest mit langem Empfangen, denn dann komme ich in den Modus: Hat der andere nicht die Nase voll? Dann denke ich schon ans Zurückgeben. Während, wenn du für jemanden bezahlst, musst du gar nichts.

Das macht es viel leichter. Diese Grenzen machen es leichter, die Rahmen sind klar. Ich frage auch immer nach Wünschen. Manchmal sind das ganz besondere Wünsche, und manchmal ist es: Ja, ist mir nicht so wichtig.


Über das Aussprechen von Wünschen

Du sagst: Ich frage nach Wünschen. Aber machst du das auch während des Spiels? Ich habe einige Leute, die mich fragen: Was magst du? Und dann denke ich: Mach einfach. Ich sage schon Stopp, wenn ich es nicht schön finde. Überrasch mich. Aber dann weiß ich schon, was du tun wirst, weil ich danach gefragt habe, und dann finde ich es nicht mehr so schön.

Bring mir doch mal spontan einen Strauß Blumen mit. Hier, der Blumenstrauß. Ja, das ist nicht spontan.

Genau. Aber ich muss eigentlich schon besser lernen, dass es okay ist, es zu sagen.

Es liegt auch daran, wie der Prozess läuft. Schau, wenn du mit jemandem im Bett liegst und er fragt: Was möchtest du, dass ich jetzt mache?

Oh nein, das ist noch schlimmer.

Genau. Und: War das schön? Soll ich es noch mal machen, oder willst du, dass ich etwas anderes mache? Da stellen sich dir die Nackenhaare auf.

Anderes Beispiel: Wenn du es sehr schön findest, an den Fußsohlen gekitzelt zu werden, es aber nie gesagt hast, wie soll ich das dann wissen?

Das kannst du auch nicht wissen.

Während des Spiels frage ich nicht so viel. Ich achte sehr auf die Energie von jemandem, ob ich richtig liege oder nicht. Ich höre sehr genau, ob Menschen Stopp sagen.

Und nicht jeder traut sich, das zu sagen.

Nein, aber ich übe es immer vorher. Kannst du kurz Stopp sagen? Ich will wissen, dass du es sagen kannst. Und vorher, im Vorgespräch über WhatsApp, frage ich oft: Was magst du, wohin gehen deine Fantasien? Dann weiß ich es. Aber dann ist die Antwort nicht direkt mit dem verknüpft, was ich beim Date mache.

Es ist wie ein schickes Restaurant mit einem Menü, das du nicht selbst wählst. Dann fragen sie auch: Was magst du und was nicht? Wenn du sagst, dass du keinen Fisch isst, dann wissen sie das. Und dann bekommst du keinen Fisch, nur weil du es gesagt hast.


Ein erstes Trio mit einem Paar

Du wirst von Paaren gebucht, zum Beispiel für ihr erstes Trio. Wie läuft das?

Ich bekomme meistens eine Mail oder eine Nachricht, meistens vom Mann. Der Mann ergreift dabei oft etwas mehr Initiative als die Frau, und der sagt: Ich hätte gern einen Mann dazu für meine Frau.

Prüfst du dann, ob die Frau auch wirklich einverstanden ist?

Ich prüfe immer, ob die Frau einverstanden ist. Inzwischen habe ich dafür feine Fühler: welcher Typ Mann so eine Nachricht schickt, und was in den Worten und den möglichen Bildern steckt, die sie schicken. Manchmal frage ich auch, ob ich kurz mit der Frau schreiben kann, oder ich mache einen Gruppenchat auf. Es ist ganz danach, was sie schön finden, und wie viele rote oder grüne Flaggen ich sehe.

Wenn jemand sagt: Ich will eine Überraschungsparty für meine Frau organisieren. Das ist meistens eine vorgeschobene Frage. Es kann zwar auch ein echter Wunsch von ihr sein, und dass es, wenn es einmal geregelt ist, doch so wird von: oh Mist, ich wusste nicht, dass ich das wirklich tun würde.

Auch dann geht es noch. Wenn sie sagt, dass sie doch nicht alles will, dann machst du das einfach nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass du bei einem ersten Trio denkst: Wie sollen wir das zu dritt machen? Du steuerst es dann ein bisschen, damit nicht jemand nur zuschaut. Angenommen, dieser Mann ist nicht so initiativ, gibst du dann Hinweise: Gib ihr da mal einen Kuss?

Ich werde dann eher die Initiative ergreifen, um das Spiel zu starten. Und ich werde ihn eher dazu rufen: Komm her.

Ich glaube, manche brauchen das.

Das gibt einen zusätzlichen Anstoß. Fast eine Art Erlaubnis, mitzumachen.


Cuckolding und Hotwife

Du hast auch Anfragen, bei denen es gerade um Cuckolding geht. Erklär mal?

Wenn bei einem Mann-Frau-Paar der Mann es sehr schön findet, zuzusehen, wie seine Frau mit jemand anderem Sex hat, und dabei womöglich auch noch erniedrigt wird: dass über seinen Penis gelacht wird.

Das muss nicht sein, es kann auch nur das Zusehen sein. Es gibt Abstufungen. Und heißt sie dann die Hotwife?

Das ist davon abgeleitet.

Begegnet dir das oft?

Das begegnet mir ziemlich oft, ja. Und das liegt daran, das wusste ich vorher auch alles nicht, dass eine Menge Männer diese Fantasie haben, sich aber nicht trauen, sie mit ihrer Frau zu besprechen. Also kommt nicht so oft ein Date zustande.

Dann hättest du also ein Date, bei dem sie es nicht weiß, und du weißt, dass er in der Ecke sitzen bleiben muss. Das ist ein seltsamer Eindruck für diese Frau. Wenn ein Mann etwas mag, heißt das nicht, dass die Frau Lust darauf hat.

Nein. Aber es kann eine sehr schöne Dynamik sein.


Das Apfelkuchengespräch

Wenn ihr nicht voneinander wisst, was ihr wollt: Wie eröffnest du dieses Gespräch, ohne dass dein Partner in die Verteidigung geht?

Ich habe dazu mal eine schöne Geschichte gehört. Ein Paar hatte an sich eine gute Beziehung, aber sie haben sich auseinandergelebt, weil es nicht mehr passte. Etwa fünf, acht Jahre später begegnen sie sich auf einer BDSM-Party. Sie sehen einander an: Hey, schön, dass du da bist. Magst du das auch? Ja, du auch? Und dann sind sie wieder zusammengekommen.

Oh mein Gott, was für eine Geschichte. Hätten sie doch einfach das Gespräch eröffnet.

Das gebe ich in der Psychotherapie mit, an Paare, aber auch, wenn eine Frau mich allein bucht, weil es mit ihrem Mann nicht passt: Führe das Gespräch. Und was ich dabei wichtig finde. Ich nenne es manchmal das Apfelkuchengespräch. Dass ich frei zu dir sagen kann: Ach, ich habe Lust auf Apfelkuchen. Ohne dass du denkst: Oh, ich muss jetzt einen Apfelkuchen besorgen.

Ja, denn ich würde sofort in den Supermarkt laufen für diesen Apfelkuchen.

Aber ich darf doch sagen, dass ich Lust auf Apfelkuchen habe? Gerade wenn es ganz neu ist, würde ich so einsteigen: Ich möchte kurz etwas mit dir besprechen, und du musst gar nichts damit machen. Ich will nur, dass du es im Hinterkopf hast. Das würde ich ein paar Mal sagen.

Und dann sage ich es schon. Aber dann hoffst du, dass es nach einer Weile doch…

Nein. Ich will loswerden, dass ich Lust auf Apfelkuchen habe, und du musst gar nichts damit machen. Wenn du Apfelkuchen auch gern magst, dann können wir es vielleicht erkunden. Aber es muss nicht.

Okay: Ich will ihn jedenfalls nicht aus dem Supermarkt, ich will einen selbst gebackenen Apfelkuchen. Aber ich weiß noch nicht, wann ich dafür Zeit oder Lust habe.

Dann kannst du das Gespräch inhaltlich gestalten statt über Erwartungen. Ich sage zu dir: Ich habe Lust auf Apfelkuchen. Du sagst: Was für ein Apfelkuchen? Mit Scheiben oder mit Stückchen? Mit einer harten Kruste oder einer weichen? Ein altmodischer Oma-Apfelkuchen oder ein moderner? Mit Zuckerguss? Dann hast du ein Gespräch darüber, wo mein Wunsch liegt.

Und wo der Wunsch des anderen liegt, und ob die sich begegnen.

Dann sucht ihr gemeinsam die Lösung. Es kann durchaus sein: mit einem schönen Klecks Sahne. Wäre eine Stroopwafel mit Sahne auch etwas, das du magst? Ja, das mag ich auch sehr gern, und die habe ich zufällig im Haus. Dann kommst du von “Ich habe Lust auf Apfelkuchen” bei einer Stroopwafel mit Sahne an, die auch meinen Wunsch erfüllt.

Das Wichtigste ist also, wie du es einleitest. Nicht sofort sagen, dass du Lust auf Apfelkuchen hast, sondern dieser Satz davor: dass du etwas teilen willst, ohne eine Erwartung an den anderen.

Dann nimmst du dem anderen sofort den Druck und den Appell weg. Und wenn ich es nicht sagen würde, dann hätte ich ein Geheimnis vor dir.

Und dann wird dieser Apfelkuchen noch interessanter.

Möglich. Aber dann steht etwas zwischen unserer Beziehung. Ich weiß: Er hat Lust auf Apfelkuchen, er mag Apfelkuchen, ich finde ihn wirklich nicht zum Essen, gib mir lieber Sahnetorte. Gut. Aber dann steht es nicht zwischen euch.


Keine emotionalen Verwicklungen

Was wir noch nicht genannt haben: Es ist auch schön, dass es nicht emotional wird, der Kontakt mit dir. Wenn ihr als Paar jemanden dazu sucht, kann schnell die Angst da sein, dass eine emotionale Bindung entsteht.

Der Partner muss nicht eifersüchtig werden. Die Grenzen sind einfach klar.


Warum liegt darauf noch ein Tabu?

Es klingt eigentlich gar nicht so seltsam, wenn wir das alles aufzählen. Warum liegt dann trotzdem noch so ein Tabu auf dem Bezahlen für Sex? Alle werden doch glücklich davon?

Wenn du Rückenschmerzen hast, gehst du zum Masseur. Das ist ganz normal. Und wenn dieser Masseur etwas hart drückt, sagst du: Nein, das ist zu hart, ich hätte es gern etwas tiefer.

Das finde ich übrigens schwierig, einem Masseur zu sagen, dass er etwas anderes machen soll. Obwohl ich dafür ja bezahle.

Und da ist der Punkt. Im Prinzip könnte es ganz normal sein: Ich habe ein bestimmtes Bedürfnis, mein Körper ist verspannt, ich suche nach einer Lösung. Aber einen Profi im sexuellen Bereich zu buchen, ist immer noch seltsam. Für Männer ist es einigermaßen okay, und für Frauen ist es seltsam, schmutzig, macht man nicht. Jede Frau kann doch so viel Sex bekommen, wie sie will?

Ich finde das schade. Ich hoffe, dass wir damit ein kleines bisschen dazu beitragen zu zeigen, dass darauf kein Tabu liegen muss.

In den Reviews auf meiner Seite lese ich immer wieder, dass Frauen wieder ganz aufblühen. Ich werde wieder gesehen. Ich werde wieder schön berührt.

Wir sind einfach viel mehr damit beschäftigt, den anderen zufriedenzustellen, und zu wenig damit, zu sagen, was wir selbst brauchen. Und durch das Bezahlen nimmst du diese Blockade weg.

Ja. Und ich frage meistens hinterher: Wie war es, wie fandest du es, was hat es dir gebracht? Bei solchen Geschichten halte ich wirklich inne.

Schön, dass du das fragst. Ich habe diese Folge genossen, und ich freue mich jetzt schon auf die nächste, in der wir tiefer in die Welt des BDSM gehen.


Diese Folge erschien zuvor im Podcast von Brabants Meisje. Das Anschlussgespräch geht um BDSM.

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