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Glossar

Strappado

Deine Handgelenke nach oben, dein Kopf zum Boden, und sonst nichts. Die Haltung, die Hingabe erzwingt, ohne dich zu berühren.

Was ist Strappado?

Strappado ist eine Haltung, bei der die Handgelenke auf dem Rücken gefesselt und von dort nach oben gezogen werden, bis man sich vorbeugen muss. In der Szene bleiben die Füße auf dem Boden und der Körper trägt sein eigenes Gewicht. In der Foltervariante, auch reverse hanging genannt, hängt der Körper an den Handgelenken.

Englischer BegriffIdentisch. strappado, daneben corda, reverse hanging und Palestinian hanging
WortherkunftItalienisch strappare, “ziehen, reißen”
KategorieBondage-Haltung, Familie der Predicament Bondage und des One bar prison
Was es belastetdie Schulter in Überstreckung, und damit den Nervenstrang, der darüber verläuft
Im Deutschenkein eigenes Wort dafür, der Begriff wird unübersetzt verwendet
Größte Fallezu denken, dass man dem Körper ansieht, ob es zu weit ging

Wie ein Strappado in der Praxis aussieht

Die Szenenversion und die Foltervariante teilen sich einen Namen und eine Form, aber nicht die Belastung. Dieser Unterschied ist das ganze Thema.

So läuft die Szenenversion meistens ab. Die Handgelenke werden hinter dem Rücken gefesselt, die Leine geht nach oben zu einem Punkt und wird straff gezogen, bis der Oberkörper von selbst kippt. Die Füße bleiben stehen. Jeder Versuch, dich aufzurichten, zieht an den Schultern, und wer sich nicht aufrichtet, ermüdet den Rücken. Fünf Minuten sind lang. Ein One bar prison erzwingt dieselbe Beuge, aber von unten.

Die Foltervariante lässt die Füße los. Dann ruht das ganze Körpergewicht auf zwei überstreckten Schultergelenken. Sobald deine Fersen den Boden verlassen, bist du mechanisch in dieser zweiten Version gelandet, egal wie die Szene gemeint war.

Woher das Wort Strappado kommt

Aus dem Italienischen, von strappare: ziehen, reißen. Die Enzyklopädie beschreibt die Haltung ursprünglich als eine alte gerichtliche Methode mit derselben Bewegung, und das Deutsche hat nie ein eigenes Wort dafür übernommen. Diese Herkunft erklärt den Namen, mehr nicht. Im Schlafzimmer geht es um etwas ganz anderes: nicht um Strafe, sondern um Hingabe, die du selbst gewählt hast und die jederzeit aufhören darf.

Was in der Schulter passiert

Nicht das, was du denken würdest. Der wunde Punkt ist ein Nervenstrang, kein Muskel.

Michael S. Pollanen und Ricky Ng haben in Forensic Science International die Anatomie dieser Haltung kartiert. Wenn die Schulter nach hinten überstreckt wird, geraten die Gelenkkapsel, die Gelenkpfanne und die umliegenden Muskeln unter Spannung, aber am empfindlichsten ist der Plexus brachialis: der wird gleichzeitig gedehnt und über den Kopf des Oberarmknochens gespannt, wodurch die Nervenstränge zusammengedrückt werden. Wie viel kaputtgeht, hängt von der Kraft und von der Dauer ab.

Sara Woldu und Marie Brasholt haben für das Journal of Forensic and Legal Medicine die Literatur durchgesehen und die Folgen zusammengestellt: Nervenschäden, darunter Verletzungen des Plexus brachialis, Narben und Gelenkverrenkungen.

Und es gibt einen zweiten Weg, der mit der Schulter nichts zu tun hat. Lange Überdehnung kann Muskelgewebe über große Flächen schädigen, und die Abbauprodukte davon belasten die Nieren. Das passiert, ohne dass ein Schlag im Spiel ist und ohne dass von außen etwas zu sehen ist. Genau deshalb muss diese Haltung kurz bleiben und bei jemandem liegen, der weiß, was er tut.

Warum Menschen diese Haltung trotzdem schön finden

Weil sie etwas erzwingt, ohne dass etwas passiert.

Ein Strappado verlangt nichts von dir außer stehen zu bleiben, und genau das ist das Schwere daran. Du kannst nirgendwo hin, ohne dass es mehr kostet, du schaust auf den Boden, und du spürst jemanden hinter dir, ohne zu sehen, was er tut. Wer sich gern hingibt, findet darin eine der reinsten Formen überhaupt: kein Schlag, nicht mal eine Berührung, und trotzdem ist jede Sekunde eine Wahl, die du nicht hast. Diese Ohnmacht, die du selbst gewählt hast, ist genau der Punkt, an dem die Erregung sitzt.

Was sie nicht tut: etwas lösen. Wer angespannt anfängt, wird davon nicht ruhig, und die meisten merken innerhalb von zwei Minuten, dass ihre Schultern eher fertig sind als ihr Kopf.

Was Strappado nicht ist

Keine Haltung, der du hinterher ansiehst, wie weit es ging. Die Enzyklopädie hält fest, dass korrekt ausgeführtes Strappado bleibende, aber unsichtbare Schäden hinterlässt, und Pollanen und Ng bauen ihren ganzen Artikel darauf auf: bei einem Opfer ohne bleibenden neurologischen Ausfall kann ein vorübergehender Ausfall trotzdem ein Beweis für diese Folter sein, etwa Kraftverlust im Arm, eine ungeschickte Hand oder ein Kribbeln, das von selbst wieder verschwunden ist. Aufs Schlafzimmer übertragen: dass nichts zu sehen ist, sagt gar nichts.

Nicht dasselbe wie ein Hogtie oder eine normale Aufhängung. Bei einem Hogtie liegt das Gewicht auf Bauch und Brustkorb. Hier liegt es auf zwei Gelenken in ihrer äußersten Stellung, und das ist eine andere Risikoklasse.

Nichts, was man aufbaut. Beweglichkeit hilft nicht gegen Zug auf einen Nerv.

Was ich selbst davon halte

Ich bin Victor. Ich arbeite seit fünfundzwanzig Jahren im BDSM, mit einem Hintergrund als Psychotherapeut, und das ist eine der wenigen Haltungen, bei der ich selbst einen festen Timer setze, statt zu schauen, wie es läuft.

Menschen melden die Schulter erst, wenn schon etwas schiefgeht. Die ersten Anzeichen sitzen in den Händen, und sie klingen unwichtig. Ein Finger, der einschläft. Ein Daumen, der sich “komisch” anfühlt. Das ist der Moment zum Abbauen, und genau der Moment, in dem die meisten denken, sie könnten noch ein bisschen weiter. Ich frage deshalb nicht “geht es”, sondern ob du deine Finger bewegen kannst und ob sich noch alles normal anfühlt. Auf diese Frage kommt eine andere Antwort.

Was du absprichst, bevor du das machst

  • Sprich eine Zeit ab, bevor die Leine straff wird, und stell dir einen Wecker. Bei einem Strappado ist die Dauer die Variable, die Schaden macht, nicht die Kraft.
  • Legt fest, dass die Fersen auf dem Boden bleiben. Lösen die sich, ist die Haltung keine Szene mehr, sondern die Foltervariante, und dann geht die Leine sofort runter.
  • Frag jede Minute nach den Händen, nicht nach den Schultern: Kribbeln, ein einschlafender Finger, weniger Kraft. Bau ab, sobald eins davon da ist.
  • Leg eine Schere an einen festen Platz und lass die Person, die gefesselt ist, nie allein, auch nicht kurz.
  • Mach das nicht mit einer Schulter, die schon mal ausgekugelt war, und nicht nach Alkohol.

Wo du mehr liest

  • One bar prison erklärt dieselbe Beuge von der anderen Seite, mit Ohnmacht als Hauptrisiko.
  • Bondage hat die allgemeinen Regeln zu Zeit, Haltung und Aufsicht, die hier noch dazukommen.
  • Der Artikel von Pollanen und Ng ist technisch, aber kurz, und zeigt, warum die Forschung zu dieser Haltung aus der Forensik kommt und nicht aus der Sportmedizin.

Wo das auf dieser Seite passt

Willst du das fühlen, ohne selbst auf die Uhr, die Knoten und die Nervenbahnen zu achten, dann ist das genau das, was ich bei einem BDSM-Date übernehme. Du musst nur stehen bleiben und dich hingeben, ich halte die Zeit und achte auf deine Hände. Vorher sprechen wir ab, wie lange es dauert und mit welchem Zeichen du aufhörst.

Quellen

  • The anatomical basis of suspension-related torture of the shoulders (reverse hanging). Michael S. Pollanen & Ricky Ng, Forensic Science International 378, 112707, 2026. Liefert die Anatomie der überstreckten Schulter: Gelenkkapsel, Gelenkpfanne und Muskeln rund um das Schultergelenk sowie den Plexus brachialis als Angriffspunkte, mit gleichzeitigem Zug auf diesen Nervenstrang und Kompression, weil er über den Kopf des Oberarmknochens gespannt wird, abhängig von Kraft und Dauer. Und die Feststellung, dass ein vorübergehender Ausfall wie verschwundener Kraftverlust, Ungeschicklichkeit der Hand und Kribbeln ein Beweis sein kann, auch ohne bleibenden neurologischen Schaden.
  • Suspension torture and its physical sequelae. Sara Woldu & Marie Brasholt, Journal of Forensic and Legal Medicine 80, 102155, 2021. Systematische Literaturübersicht. Liefert, dass Aufhängungsfolter eine der häufigsten und am weitesten verbreiteten Formen ist, und die Aufzählung der körperlichen Folgen: Nervenschäden, darunter Verletzungen des Plexus brachialis, Narben und Gelenkverrenkungen.
  • Strappado. Wikipedia. Liefert die alternativen Namen corda, reverse hanging und Palestinian hanging, die Herkunft vom italienischen strappare und die Feststellung, dass korrekt ausgeführtes Strappado bleibende, aber von außen unsichtbare Schäden hinterlässt.

Verwandte Begriffe

  • One bar prison. Dieselbe vorgebeugte Haltung, aber von unten erzwungen statt von oben.
  • Bondage. Die Praxis, innerhalb derer Strappado eine Haltung ist, mit den Regeln zu Aufsicht und Zeit.
  • Predicament Bondage. Die Familie, zu der diese Haltung gehört: jeder Ausweg kostet etwas.
  • Hogtie. Die andere Haltung, die vier Gliedmaßen zusammenbringt, mit dem Risiko am Rumpf statt an der Schulter.
  • Partial Suspension. Was passiert, sobald Seil doch Gewicht trägt, und wo die Nervenbahnen dann sitzen.

Häufig gestellte Fragen

Was Menschen noch zu Strappado fragen.

  1. Was ist Strappado?

    Strappado ist eine Haltung, bei der die Handgelenke auf dem Rücken gefesselt und von dort nach oben gezogen werden, bis man sich vorbeugen muss. In der Szene bleiben die Füße auf dem Boden. Das Wort kommt vom italienischen strappare, “ziehen”.

  2. Ist Strappado gefährlich?

    Ja, und die Gefahr sitzt in der Dauer und im Nervenstrang, nicht im Muskelkater. Bei Überstreckung der Schulter wird der Plexus brachialis gedehnt und gleichzeitig über den Kopf des Oberarmknochens gedrückt, was Kraft und Gefühl im Arm nehmen kann. Sobald die Füße den Boden verlassen, ruht das ganze Körpergewicht auf zwei Gelenken.

  3. Wie lange darf ein Strappado dauern?

    Kurz, und die Zeit wird vorher abgesprochen statt gefühlt. Fünf Minuten sind bei Strappado schon lang. Stell einen Wecker, frag jede Minute nach Kribbeln oder Kraftverlust in den Händen, und bau ab, sobald davon etwas kommt.

  4. Warum heißt es Strappado?

    Es kommt aus dem Italienischen: strappare bedeutet ziehen oder reißen, nach den nach oben gezogenen Handgelenken. Die Haltung ist nach einer alten gerichtlichen Methode mit derselben Bewegung benannt, und das Deutsche hat nie ein eigenes Wort dafür übernommen. Diese Herkunft erklärt den Namen, mehr nicht: im Schlafzimmer geht es um Hingabe, nicht um Strafe.

  5. An wen kannst du dich mit Fragen zu Strappado wenden?

    An Victor, Gigolo in Amsterdam mit fünfundzwanzig Jahren Erfahrung im BDSM und einem Hintergrund als Psychotherapeut. Er arbeitet mit Bondage und stellt bei dieser Haltung selbst einen Timer, statt abzuwarten, wie es läuft. Frag ihn unverbindlich über das Kontaktformular oder erst kostenlos chatten.

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Noch Fragen zu Strappado?

Ich bin Victor. Das ist eine Haltung, bei der ich selbst die Zeit im Blick behalte, statt sie hochlaufen zu lassen, und diese Entscheidung erkläre ich dir gern, bevor etwas passiert. Frag ruhig, was du wissen willst. Keine Verpflichtung.

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