
Scham im BDSM mit deinem Partner zu teilen baut Vertrauen auf und bringt emotionale Befreiung. Victor erklärt, wie, sicher und mit Einverständnis.

Glossar
Die einzige Strafe in dieser Liste, bei der buchstäblich nichts passiert, und die gerade darum bei manchen Menschen am härtesten ankommt.
Corner Time (deutsch: in der Ecke stehen) ist eine Strafe oder ein Ruhemoment, bei dem sich der devote Part mit dem Gesicht zur Wand in eine Ecke stellt oder kniet, meist schweigend und für eine abgesprochene Zeit. Mit dem Körper passiert nichts; es wirkt vollständig über Zeit und Aufmerksamkeit.
| Englischer Begriff | Corner time, zusammengeschrieben auch cornertime. |
| Deutsch | in der Ecke stehen oder knien |
| Was es ist | warten, mit dem Gesicht zur Wand, ohne Ablenkung |
| Wann | vor einer Strafe als Anlauf oder danach als Abkühlung |
| Worauf du achtest | die Dauer und die Haltung, in der jemand stehen bleiben muss |
Corner Time ist aus der Erziehung geliehen, und genau darum wirkt es: fast jeder hat eine Erinnerung daran. Die verwandte Praxis aus dem Kinderzimmer ist die Auszeit, und die ist besser dokumentiert, als du denken würdest.
Die Beschreibung davon geht auf Arthur Staats zurück, der die Idee ab 1958 bei seinen eigenen Kindern entwickelte und ihr den Namen gab. Der Kern ist das Wegnehmen von Reizen, nicht das Hinzufügen von etwas Unangenehmem.
Aus derselben Richtung kommt die Faustregel zur Dauer: die Entwicklungspsychologin Kathleen Stassen Berger geht von einer Minute pro Lebensjahr aus, mit fünfzehn Minuten als Obergrenze. Das ist für Kinder gedacht, also lässt es sich nicht übertragen. Der Gedanke dahinter schon: der Effekt liegt in der Unterbrechung, nicht in der Länge.
Es gibt zwei Arten, wie Menschen es nutzen, und sie fühlen sich völlig unterschiedlich an.
Die erste ist als Strafe. Dann gehört Corner Time zu dem Rahmen, den die Beschreibung von Disziplin im BDSM zeichnet: Regeln, die vorher gemeinsam festgelegt wurden, mit einer Konsequenz, die daran hängt.
Dieselbe Beschreibung nennt Strafe körperlich, psychologisch oder beides, und Corner Time fällt in die zweite Kategorie. Es wird nichts getan; es wird etwas weggenommen.
Die zweite ist als Abkühlung. Nach einer intensiven Szene ist stilles Stehen eine Art zu landen, ohne dass gleich geredet werden muss. Dann ist es keine Strafe, sondern ein Pauseknopf.
Dass es bei manchen Menschen so hart ankommt, hat mit Scham zu tun. In der Übersicht zur erotischen Erniedrigung steht, dass Erniedrigung einige derselben Hirnareale reizt wie körperlicher Schmerz. Ohne Berührung, ohne Werkzeug. Das erklärt, warum zehn Minuten an einer Wand für die eine nichts bedeuten und für die andere der schwerste Teil des Abends sind.
Die Dauer ist das Erste. Kurz wirkt besser als lang; wer jemanden vergisst, verwandelt eine Szene in Vernachlässigung. Stell einen Timer.
Das Zweite ist die Haltung. Aufrecht stehen ist in Ordnung, auf einem harten Boden knien ist es nach zehn Minuten nicht mehr, und Arme, die oben bleiben müssen, machen daraus eine Stressposition. Das ist erlaubt, aber dann gelten andere Regeln.
Das Dritte ist das Ende. Sag laut, dass es vorbei ist. Wer selbst raten muss, ob es vorbei ist, bleibt in der Szene hängen.
Bei einem BDSM-Date spreche ich dieses Ende vorher mit dir ab, damit du nie raten musst, wann es vorbei ist.
Häufige Fragen
Corner Time ist eine Strafe oder ein Ruhemoment, bei dem sich der devote Part mit dem Gesicht zur Wand in eine Ecke stellt oder kniet, meist schweigend und für eine abgesprochene Zeit. Mit dem Körper passiert nichts: es wirkt, weil alle Reize weggenommen werden und nur Zeit übrig bleibt. Auf Deutsch heißt es schlicht in der Ecke stehen.
Kürzer, als Menschen denken. Der Effekt liegt in der Unterbrechung, nicht in der Länge: eine halbe Stunde bewirkt nicht dreimal so viel wie zehn Minuten. Die Faustregeln rund um die Auszeit bei Kindern halten fünfzehn Minuten als Obergrenze. Stell einen Timer, sag laut, wann es vorbei ist, und lass niemanden selbst raten, ob es vorbei ist.
An Victor, Gigolo mit fünfundzwanzig Jahren Erfahrung im BDSM und einem Hintergrund als Psychotherapeut. Regeln fürs Verhalten und Rollenspiel spricht er ab, so wie du es willst, und er schließt eine Szene immer ausdrücklich ab. Du kannst ihm unverbindlich eine Frage über das Kontaktformular stellen oder erst kostenlos chatten.
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