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Glossar

Erzwungener Orgasmus

Das deutsche Wort für eine Szene, die in der Szene meist Englisch heißt, und warum dieser Unterschied zählt.

Was ist ein erzwungener Orgasmus?

Erzwungener Orgasmus (englisch: forced orgasm) ist das Auslösen eines Orgasmus, der außerhalb des Willens der empfangenden Person liegt: Sie kann ihn nicht aufhalten und nicht abbrechen. Das Wort “forced” bezieht sich auf den Orgasmus, nicht auf das Einverständnis; die Szene selbst wird vorher abgesprochen. In der Praxis geschieht es meist mit einem Vibrator und mit festgesetzten Händen.

Englischer Begriffder Szenebegriff ist Englisch: forced orgasm; die Weiterleitungsseite orgasm control der englischsprachigen Enzyklopädie beschreibt es als das Erzwingen eines Orgasmus, der außerhalb der willentlichen Kontrolle der empfangenden Person liegt
Deutscherzwungener Orgasmus; dieser Eintrag behandelt das deutsche Wort und warum es schwerer klingt
KategorieOrgasmuskontrolle, das Gegenstück zu Edging und Orgasmusentzug
Was du brauchsteine Form von Bondage, einen Vibrator, und ein Stoppzeichen, das ohne Worte funktioniert
Wo es kipptkurz nach dem ersten Orgasmus, wenn Lust in Schmerz umschlägt
Wichtigstes Missverständnisdass ein Orgasmus etwas über Wollen beweist

Wie sieht ein erzwungener Orgasmus in der Praxis aus?

Wie eine Szene mit zwei Hälften. Die erste ist einfach Erregung: Die empfangende Person liegt fest, kann die Stimulation nicht wegschieben und kommt zum Höhepunkt. Die zweite ist das, worum es ging, denn der Vibrator bleibt. Da kippt das Erleben, und da zeigt sich, dass die Grenze näher liegt als gedacht.

Ein typischer Ablauf bei einem Paar: Handgelenke fest, Vibrator auf der Klitoris, die Absprache, dass die empfangende Person nicht selbst stoppt, und eine vorher genannte Zahl. Oft sind schon drei zu viel, und bei einer zweiten Sitzung geht diese Zahl runter.

Warum schlägt ein erzwungener Orgasmus nach dem Orgasmus um?

Weil der Körper direkt nach einem Orgasmus anders auf genau dieselbe Berührung reagiert. Paterson, Amsel und Binik ließen in The Journal of Sexual Medicine sechsundzwanzig Frauen bis zu einem Orgasmus masturbieren und, in einer zweiten Sitzung, bis kurz davor. Mit standardisiertem Druck maßen sie, wie angenehm und wie schmerzhaft die Berührung von Klitoriseichel und vaginalem Vorhof sich anfühlte.

Nach einem echten Orgasmus lagen die Lustwerte an den Genitalien niedriger, und auch die Schmerzschwelle des vaginalen Vorhofs lag niedriger als nach dem Beinahe-Orgasmus. Ihre Schlussfolgerung: Masturbation hält das Lustgefühl auf Niveau, erhöht aber die Schmerzempfindlichkeit. Weitermachen nach dem Orgasmus heißt also Stimulation an einem Körper, dessen Schmerzschwelle gesunken ist. Keine Frage der Einstellung.

Warum suchen Menschen einen erzwungenen Orgasmus?

Wegen der Erfahrung, etwas nicht aufhalten zu können. Bei fast allem im Bett hast du eine Stimme; hier hast du sie vorher, während der Szene nicht.

  • Für den, der es erlebt, liegt der Gewinn im Wegfallen jeder Steuerung. Es gibt nichts mehr zu regieren, auch den eigenen Körper nicht, und das ist eine ungewöhnliche Form von Ruhe.
  • Für den, der es macht, liegt er in der Reaktion: Du siehst direkt, was du tust.
  • Für ein Paar liefert es Informationen. Wenige Szenen machen so schnell klar, wie jemand signalisiert, dass es genug ist.

Ein erzwungener Orgasmus repariert kein Zögern gegenüber Sex, und bei Schmerz während des Sex oder einer empfindlichen Vulva ist er keine gute Idee. Wer “mehr” zum Ziel nimmt, landet bei Schmerz statt bei Lust.

Wie machen Menschen das?

In zwei Formen. Die kurze Variante bleibt bei einem Orgasmus plus einem Stück Weitermachen, in Sekunden gezählt. Die gestreckte Variante, in der Szene multiple forced orgasms oder post-orgasm torture genannt, zählt Orgasmen und nutzt Bondage, die die empfangende Person wirklich nicht löst.

Was die sorgfältige Version von der schludrigen trennt, ist der Stoppmechanismus. Wer festliegt und überreizt ist, spricht nicht mehr klar, also kommt ein Zeichen ohne Worte: ein Gegenstand, der aus der Hand fällt. Siehe Consent.

Was ist ein erzwungener Orgasmus nicht?

“Ein Orgasmus beweist, dass jemand es wollte.” Das gefährlichste Missverständnis auf dieser Seite. Levin und van Berlo kamen in ihrer Review im Journal of Clinical Forensic Medicine zu dem Schluss, dass nicht einvernehmliche Stimulation zu ungewollter Erregung und sogar zu einem Orgasmus führen kann, und dass das kein Einverständnis belegt. Eine Verteidigung, die sich auf den Orgasmus als Beweis für Einverständnis stützt, hat ihnen zufolge keinerlei Gültigkeit.

“Forced bedeutet ohne Einverständnis.” Nein. Das Wort beschreibt, dass der Orgasmus außerhalb des Willens der empfangenden Person liegt, nicht dass die Szene das tut. Die Absprache wird vorher getroffen, wie bei jeder Form von CNC.

“Es ist dasselbe wie Edging.” Genau andersherum: Beim Edging wird der Höhepunkt aufgeschoben, hier aufgedrängt.

“Vibratoren nutzen dein Gefühl ab.” Dagegen steht eine Zahl. Herbenick und Kolleginnen fanden unter 2.056 amerikanischen Frauen in The Journal of Sexual Medicine, dass 52,5 Prozent einen Vibrator benutzen und dass 71,5 Prozent davon nie genitale Beschwerden bekamen. Gut ein Viertel also schon: Grund, Beschwerden anzusprechen.

Was ich selbst davon sehe

Ich bin Victor, Gigolo, seit über fünfundzwanzig Jahren zu Hause im BDSM und ausgebildet als Psychotherapeut. Orgasmuskontrolle gehört zu dem, was ich mache, und der erzwungene Orgasmus ist ihr am meisten unterschätzter Teil.

Fast immer geht es um die Zahl. Frauen kommen mit einer Zahl im Kopf, meist aus einem Video, und die stimmt fast nie: Es geht um Sekunden nach dem ersten Orgasmus, nicht um Reihen.

Das Zweite ist, dass Aufhören schwerer ist als Anfangen. Wer festliegt, sagt nichts mehr, also liest du es an ihrem Gesicht und ihrer Atmung ab. Wer das nicht kann, sollte diese Szene nicht leiten.

Was kannst du selbst tun?

  • Sprich ein Zeichen ab, das ohne Worte funktioniert. Leg etwas in die Hand, das losgelassen werden kann; das Sprechen fällt hier als Erstes weg.
  • Arbeite mit Sekunden statt mit Zahlen. Zehn Sekunden weitermachen ist eine Szene; fünf Orgasmen ist ein Wettkampf.
  • Stopp bei Schmerz, auch wenn nichts gesagt wird. Die Schmerzschwelle an der Vulva liegt nach einem Orgasmus messbar niedriger.
  • Benutz Gleitmittel und versetz den Vibrator; an einer Stelle zu bleiben macht aus Überreizung Scheuerschmerz.
  • Setz die Bondage so an, dass du sie in einer Bewegung lösen kannst.
  • Besprich hinterher, was passiert ist. Erinnerung und Erleben gehen auseinander.

Mehr über den erzwungenen Orgasmus erfahren

Auf dieser Seite steht die entgegengesetzte Bewegung unter Edging, und der Artikel über Orgasmuskontrolle, Macht und Hingabe erklärt, wer über den Höhepunkt entscheidet.

Außerhalb dieser Seite maßen Paterson, Amsel und Binik als Einzige den Umschwung nach dem Orgasmus, und die Review von Levin und van Berlo ist Pflichtlektüre für alle, die denken, ein Körper habe eine Meinung.

Wo passt das auf dieser Seite?

Orgasmuskontrolle steht auf meinem Profil als etwas, das ich mache, und der erzwungene Orgasmus fällt darunter. Wie so etwas vorher abgesprochen wird und wo die Bremse sitzt, steht auf der Seite über das BDSM-Date.

Quellen

  • Sexual arousal and orgasm in subjects who experience forced or non-consensual sexual stimulation. A review. Levin & van Berlo, Journal of Clinical Forensic Medicine 11(2), 82–88, 2004 (DOI 10.1016/j.jcfm.2003.10.008). Liefert die Schlussfolgerung, dass ungebetene oder nicht einvernehmliche sexuelle Stimulation bei Frauen und Männern zu ungewollter Erregung und sogar zu einem Orgasmus führen kann, dass das Auslösen von Erregung und Orgasmus nicht bedeutet, dass jemand der Stimulation zugestimmt hat, und dass eine Verteidigung, die auf genitaler Erregung oder Orgasmus als Beweis für Einverständnis aufgebaut ist, keine intrinsische Gültigkeit hat.
  • Pleasure and Pain: The Effect of (Almost) Having an Orgasm on Genital and Nongenital Sensitivity. Paterson, Amsel & Binik, The Journal of Sexual Medicine 10(6), 1531–1544, 2013 (DOI 10.1111/jsm.12144). Sechsundzwanzig Frauen masturbierten in zwei Sitzungen bis zu einem Orgasmus und bis kurz davor, mit standardisierter Druckstimulation an Klitoriseichel, vaginalem Vorhof und Unterarm zu drei Messzeitpunkten. Liefert, dass die Lustwerte und die Schmerzschwelle des vaginalen Vorhofs nach einem echten Orgasmus niedriger lagen als nach dem Beinahe-Orgasmus, und die Schlussfolgerung, dass Masturbation das Lustgefühl auf Niveau hält, aber die Schmerzempfindlichkeit erhöht.
  • Prevalence and Characteristics of Vibrator Use by Women in the United States: Results from a Nationally Representative Study. Herbenick, Reece, Sanders, Dodge, Ghassemi & Fortenberry, The Journal of Sexual Medicine 6(7), 1857–1866, 2009 (DOI 10.1111/j.1743-6109.2009.01318.x). Landesweit repräsentative Stichprobe, 2.056 Teilnehmerinnen von 18 bis 60 Jahren. Liefert die Nutzungsquote von 52,5 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 50,3 bis 54,7) und den Befund, dass 71,5 Prozent der Frauen nie genitale Beschwerden im Zusammenhang mit Vibratornutzung hatten.
  • Orgasm control. Wikipedia. Eine Weiterleitungsseite, kein Artikel, und daher hier nur zitiert für das, was eine Weiterleitungsseite festhält: die Beschreibung von Orgasmuskontrolle als Sammelbegriff für das Erzwingen, Verweigern, Aufschieben oder Verlängern eines Orgasmus, und die Definition des erzwungenen Orgasmus als das Erzwingen eines Orgasmus, der außerhalb der willentlichen Kontrolle der empfangenden Person liegt.

Verwandte Begriffe

  • Edging. Die entgegengesetzte Bewegung, bei der der Höhepunkt gerade aufgeschoben wird.
  • Bondage. Was nötig ist, um die Hände fernzuhalten.
  • Consent. Woher die Stoppabsprache kommt, die diese Szene erträglich macht.
  • CNC. Die Absprache, in die das Wort “forced” passt.
  • D/s. Die Beziehung, in der die Kontrolle über den Höhepunkt Bedeutung bekommt.
  • Magic wand. Das Gerät, das hier am häufigsten gegriffen wird, und warum es ein Markenname ist.
  • Orgasmuskontrolle. Die Familie, deren widerborstige Form der erzwungene Orgasmus ist: Hier wird der Höhepunkt erzwungen statt aufgeschoben.
  • Ruined orgasm. Der entgegengesetzte Eingriff: Der Orgasmus kommt, aber die Spitze wird herausgenommen.
  • Vibrator. Das Gerät, das hier fast immer benutzt wird, mit den Prävalenzzahlen dabei.

Häufig gestellte Fragen

Was Menschen noch über den erzwungenen Orgasmus fragen.

  1. Was ist ein erzwungener Orgasmus?

    Ein erzwungener Orgasmus ist eine Szene, in der jemand zum Höhepunkt kommt, ohne Kontrolle darüber zu haben, weil die Stimulation weitergeht, während die Hände fest sind. Bei einem erzwungenen Orgasmus wird der Körper erzwungen, nicht das Einverständnis.

  2. Warum heißt es erzwungen, wenn es vorher abgesprochen ist?

    Weil das Wort beschreibt, was mit dem Körper passiert, nicht wie die Absprache zustande kam. Im Deutschen klingt “erzwungener Orgasmus” dadurch schwerer, als die Szene ist: Es wird vorher verhandelt, und es liegt ein Zeichen bereit, das ohne Stimme funktioniert.

  3. Ist ein erzwungener Orgasmus dasselbe wie ein forced orgasm?

    Ja, es geht um dieselbe Praxis unter zwei Namen. In der deutschsprachigen Szene wird meist das englische forced orgasm benutzt; erzwungener Orgasmus ist das Wort, nach dem Menschen suchen, die diesen Szenebegriff nicht kennen.

  4. An wen kannst du dich mit Fragen zu einem erzwungenen Orgasmus wenden?

    Bei Victor, Gigolo mit über fünfundzwanzig Jahren Erfahrung im BDSM und einem Hintergrund als Psychotherapeut. Ein erzwungener Orgasmus fällt unter die Orgasmuskontrolle, die auf seinem Profil steht, und er bespricht lieber erst, wo bei dir die Bremse sitzt. Unverbindlich eine Frage stellen kannst du über das Kontaktformular oder erst kostenlos chatten.

Blog

Artikel über Kontrolle und Absprachen

Diese Seite handelt von einem Wort. Diese Artikel handeln von den zwei Dingen drumherum: wer über den Höhepunkt entscheidet, und wie du eine Szene absprichst, die nicht klingt, als wäre sie abgesprochen.

Passender Service

Orgasmuskontrolle während eines BDSM-Dates

Wer entscheidet über den Höhepunkt, und was sprichst du ab, bevor das Reden wegfällt? Auf der Service-Seite steht, wie das läuft.

Erfahrener BDSM-Gigolo mit Bondage-Seil
BDSM-Date

Ein BDSM-Gigolo mit 25 Jahren Erfahrung. Sicher, intensiv, immer in deinen Grenzen. Von sanfter Bondage bis Dominanz. Gigolo buchen? Schreib mir.

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Noch Fragen zum erzwungenen Orgasmus?

Ich bin Victor. Zweifelst du, ob dieses Wort trifft, was du suchst, oder willst du wissen, wie du so eine Szene absprichst, ohne dass du auf halbem Weg nichts mehr sagen kannst? Schick mir eine Nachricht. Keine Verpflichtung, und ich sage ehrlich, wann etwas besser nicht sein sollte.

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