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Mariska trifft regelmäßig einen Gigolo

Diese Geschichte erschien zuvor in Vriendin.
Mariska (43) wurde in ihrer Jugend missbraucht. Als erwachsene Frau konnte sie deshalb nie Sex genießen. Dank der Treffen mit einem Gigolo kann sie zum ersten Mal in ihrem Leben Nähe und ihren eigenen Körper genießen.
“Ich bin in einer unsicheren Familie aufgewachsen. Mein Vater kämpfte mit Suchtproblemen und meine Mutter war autistisch. Keine gute Kombination also. Am Ende zerbrach die Beziehung und sie ließen sich scheiden. Weil es zwischen meiner Mutter und mir nicht lief, zog ich zu meinem Vater. Ich war etwa vierzehn, als mein Vater sich zum ersten Mal an mir verging. Während Gleichaltrige ihre eigene Sexualität entwickelten, wurde meine sexuelle Entwicklung jäh gestört durch die Übergriffe von jemandem, der mein sicherer Hafen hätte sein sollen, nämlich meinem Vater. Nach diesem ersten Mal verging er sich noch mehrere Male an mir. Irgendwann siegte mein Widerstand über die Scham und ich habe es gemeldet. Weil unsere Familie schon unter Aufsicht stand, wurde ich recht bald danach aus dem Haus genommen. Zeitweise lebte ich in einer Wohn- und Behandlungsgruppe, um danach in einer Pflegefamilie untergebracht zu werden. Dort fühlte ich mich zwar sicher, aber es wurde nie wirklich ein ‘Zuhause’ für mich. Sobald es ging, ich war gut siebzehn, zog ich in eine eigene Wohnung. Nach allem, was passiert war, brauchte ich einen eigenen Ort. Einen Punkt, von dem aus ich mein eigenes Leben aufbauen konnte. Ich landete bei einem Paar, das Zimmer im eigenen Haus vermietete. Ich war natürlich jung und nach allem, was ich schon durchgemacht hatte, unglaublich verletzlich. Der männliche Eigentümer meines neuen Zuhauses nutzte das aus. Und diesmal blieb es nicht bei einem Übergriff, ich wurde vergewaltigt. Weil ich schon eine Missbrauchsvergangenheit hatte, traf mich das doppelt hart. Schon wieder jemand, der meine Grenzen nicht respektierte. Wie sollte ich ein gesundes Bild von Männern und Sexualität aufbauen, jetzt, wo ich schon so viele schlechte Erfahrungen gemacht hatte?”
Therapie
“Ich habe jung geheiratet. Meinen Partner lernte ich kennen, als ich vorübergehend in der Behandlungsgruppe lebte. Kurz nachdem ich 21 geworden war, gaben wir uns das Jawort. Wir hatten nie ein aufregendes Sexleben. Ganz am Anfang, noch bevor ich vergewaltigt wurde, hatten wir schon schönen, intimen Kontakt. Aber da war ich noch so jung und die Beziehung noch so frisch, da entdeckt man alles ganz vorsichtig. Alles ist neu und aufregend, und von einem echten Sexleben war noch keine Rede. Und genau in der Zeit, in der das mehr wurde, wurde ich vergewaltigt. Danach machte mein ganzer Körper dicht. Ich hatte so viel Trauma im Körper, dass ich es nicht mochte, berührt zu werden. Wir hatten Sex, aber ich genoss ihn nicht. Ich habe aber daran gearbeitet, meiner Missbrauchsvergangenheit einen Platz zu geben. Ich habe eine Therapie gemacht und mehrere EMDR-Sitzungen. Das hat mir enorm geholfen. Das Trauma ist noch da, aber es beherrscht mein Leben nicht mehr.”
Hauthunger
“Weil es irgendwann nicht klappte, schwanger zu werden, folgte eine intensive IVF-Behandlung, bei der wir zu bestimmten Zeiten keinen Sex haben durften oder gerade doch. Der letzte Rest Spontaneität verschwand aus unserem Sexleben.
Vor ein paar Jahren hatte ich eine schwere Depression. Und immer, wenn ich mich richtig unwohl fühle, bekomme ich Lust auf Pommes mit viel Mayo. Während meiner Depression habe ich viel genascht und ordentlich zugenommen. Mein Mann verabscheut dicke Menschen und drängt mich seitdem ständig, ich müsse abnehmen. ‘Sag mal Mariska, willst du das wirklich essen? Gehst du diese Woche noch ein zweites Mal zum Sport?’ Das macht mich verrückt, und gleichzeitig schäme ich mich für meinen volleren Körper. Ich traue mich nicht, mich vor meinem Mann auszuziehen. Sex haben wir inzwischen gar nicht mehr.
Ich habe meine Depression überwunden und fühle mich mental gut. Dadurch lebt auch mein Bedürfnis nach körperlicher Nähe wieder auf. Ich habe einfach richtig Hauthunger, wie man das nennt. Der Gedanke, mal einen Mann zu buchen, war mir schon ein paar Mal durch den Kopf geschossen. Trotzdem ist das nichts, was man mal eben so tut. Ich schämte mich für mein Bedürfnis nach Nähe. Ich bin von Haus aus auch christlich erzogen. Das spielt in meinem Leben keine Rolle mehr, aber trotzdem nimmt man im Erwachsenenleben Normen und Werte davon mit. Sex mit einem fremden Mann, und erst recht, wenn man verheiratet ist, gehört sich nicht. Dazu wusste ich nicht einmal, ob ich mich überhaupt von einem Fremden berühren lassen würde. Wegen meiner Missbrauchsvergangenheit finde ich Berührung immer noch nicht angenehm. Also beschloss ich, die Idee mit dem Gigolo erst mal zu parken und stattdessen eine ausgiebige Schönheitsbehandlung zu buchen. Dann wird man ja auch von einer Fremden berührt. Das gefiel mir gut, also ging ich einen Schritt weiter und buchte eine Massage. Wider Erwarten fand ich auch die Massage angenehm. Ich konnte tatsächlich entspannen, was mir sonst schwerfällt. Mit diesen zwei guten Erfahrungen im Gepäck kam das Stimmchen wieder hoch… soll ich? Nach langem Zögern habe ich all meinen Mut zusammengenommen: ich mache es einfach, ich buche mal einen Gigolo!”
Bereichernd
“Beim ersten Mal, als ich mich mit einem Gigolo traf, war ich schrecklich nervös. Ich hatte ein Hotel am anderen Ende des Landes gebucht, damit ich sicher niemandem begegnete, den ich kannte. Bevor der Gigolo kam, habe ich mich in meinem Hotelzimmer ausgiebig geduscht. Ich hatte mir schöne Dessous gekauft, nahm mir Zeit, meine Haut zu peelen und mit einer herrlich duftenden Bodylotion einzucremen, und legte etwas Make-up auf. Weil ich mich mit so viel Liebe und Aufmerksamkeit um mich selbst kümmerte, entspannte ich. Normalerweise schminkte ich mich nie, duschen ging immer schnell-schnell, und aufreizende Sets? Oh nein, nichts für mich! Jetzt fühlte ich mich zum ersten Mal seit Langem als Frau. Der Gigolo und ich hatten abgemacht, erst in der Hotellobby etwas zu trinken, damit wir uns ein bisschen kennenlernen konnten. Eigentlich hat es sofort geklickt. Nach unserem Drink sind wir nach oben gegangen. Der Mann war so ruhig, lieb und verständnisvoll, dass ich schnell entspannte. Und der Sex war herrlich. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich Sex genießen! Das war eine so bereichernde Erfahrung für mich. In der Therapie habe ich stundenlang geredet, um mein Trauma zu verarbeiten. Das war gut, aber nicht zu vergleichen mit dem, was mir das hier gab. Weil ich in einem sicheren Rahmen mit jemandem intim war, der nur für dein Vergnügen da ist, erlebte ich zum ersten Mal eine schöne sexuelle Erfahrung. Ob mir mein Gigolo am Ende mehr gebracht hat als all die Psychologen? Das könnte man wohl sagen, ja. Das ist auch der Grund, warum ich meine Geschichte teile. Es gibt sehr viele Frauen mit einer Missbrauchsvergangenheit. Ein Treffen mit einem Gigolo kann wirklich helfen, sich selbst näherzukommen. Mehr Gefühl zuzulassen und Schritt für Schritt die sorgsam aufgebauten Mauern bröckeln zu lassen. Und, wenn diese Mauern erst einmal gebröckelt sind, dem eine positive sexuelle Erfahrung entgegenzusetzen.”
Selbstvertrauen
“Neben dem Genuss beim Sex lerne ich auch viel aus dem Kontakt. Mein Selbstvertrauen ist enorm gewachsen. Als Frau weißt du zwar, dass deine Weiblichkeit nicht davon abhängt, wie viele Kilo du wiegst, aber es zu wissen ist etwas ganz anderes, als es zu erleben. Mein Körper kann mir so viel Freude geben, dass ich ihn wie von selbst mehr zu schätzen gelernt habe. Was ich eben erzählt habe, dass ich Lust auf Pommes bekomme, wenn es mir schlecht geht, das habe ich nicht mehr. Die Lust auf Pommes ist weg. Gut möglich, dass ich dadurch etwas Gewicht verloren habe, aber das Schöne ist, dass ich viel weniger darauf achte. Ich fühle mich als Frau und strahle das auch aus. Ich glaube, mein Mann merkt etwas an mir. Vor ein paar Monaten war er beruflich ein Wochenende weg, und als er nach Hause kam, wollte er mich seit Langem wieder in den Arm nehmen. Ich habe keine Ahnung, ob das daran liegt, dass ich offener für Nähe bin, oder ob er sich durch meine Ausstrahlung mehr zu mir hingezogen fühlt. Aber wir fanden es beide sehr schön. Wer weiß, welche guten Wirkungen meine Treffen mit einem Gigolo noch haben! Der einzige Nachteil am Sex mit einem Gigolo ist… dass es süchtig macht. Ich habe jetzt drei Mal einen Mann gebucht, und in einer Woche steht wieder ein Treffen an. Darauf freue ich mich jetzt schon riesig. Mein Mann weiß von nichts. Und das möchte ich auch so lassen. Ich bin sicher, wir gehen auseinander, wenn er es wüsste. Über solche intimen Themen reden wir sowieso nicht. Mein Mann weiß, dass ich in meiner Jugend missbraucht wurde, aber wir sprechen sonst nie darüber. Ob es Scham ist oder Unbehagen, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Wir sind beide introvertiert und also keine Redner. Ob er Sex vermisst? Keine Ahnung. Auch darüber reden wir nicht. Ich hätte, glaube ich, kein Problem damit, wenn er seine Sexualität woanders auslebt. Ich muss es nur nicht wissen.”
Ehe
“Mein Mann ist ein feiner, lieber und stabiler Partner und ein guter Vater für unsere Tochter. Nur beim Thema Sex finden wir nicht zueinander. Für mich ist das kein Grund, eine gute Beziehung zu beenden.
So regelmäßig einen Gigolo zu besuchen, kostet natürlich Geld, ja. Mein Mann verdient gut, Geld ist genug da. Ich habe ihm gesagt, dass ich zu einem Psychologen gehe. Dafür hebe ich jede Woche siebzig Euro ab. Das spare ich, um meine Gigolo-Besuche zu bezahlen.
Ich kann natürlich nicht bis ans Ende aller Zeiten zu einem Psychologen gehen, also wird es irgendwann aufhören. Dann ist das eben so. Wenn es aufhört, blicke ich auf einige unglaublich schöne und bereichernde Begegnungen zurück, die mich weitergebracht haben, als eine psychologische Behandlung es je könnte. Ich habe sonst kein Bedürfnis, eine Beziehung mit einem anderen Mann einzugehen. Auch nicht, wenn es nur um Sex geht. Ein Besuch bei einem Gigolo ist eine geschäftliche Sache. Da kommen keine Emotionen oder Gefühle ins Spiel. Dadurch wird es nie kompliziert oder unangenehm. Ich will nicht, dass etwas oder jemand zwischen meinen Mann und mich tritt. Dafür ist mir unsere Ehe zu kostbar.”
Diese Geschichte ist in “Mijn Geheim” erschienen. Sie handelt nicht von Victor, zeigt aber schön und eindrücklich, wie sehr eine Frau persönlich wachsen kann.
