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Nahaufnahme eines aufgeschlagenen Buches mit einem Bleistift zwischen den Seiten, in Schwarzweiß

Glossar

Old Guard

Die alte, streng geregelte Leather-Tradition, in der du dir dein Leder verdienen musstest, und das Bild, das später kräftig aufpoliert wurde.

Was ist Old Guard?

Old Guard (englisch, identisch; Deutsch manchmal alte Garde) ist der Name für die ältere, stark strukturierte Leather-Tradition mit festen Protokollen, Rängen und Ritualen. Im gängigen Bild musstest du dir deinen Platz innerhalb einer geschlossenen Männergemeinschaft mit High Protocol nach militärischem Modell verdienen. Der Old Guard gegenüber steht die New Guard, die lockerer mit den Regeln umgeht.

Englischer Begriffidentisch; Deutsch manchmal alte Garde, wobei die Szene meist das Englische benutzt
Kategorieeine Tradition innerhalb der Leather-Kultur
GegenüberNew Guard, die freiere, offenere Strömung
Merkmale im BildHigh Protocol, Ränge, Initiation, dein Leder verdienen
EntstehungVereinigte Staaten, nach 1945, teils bei heimgekehrten Militärangehörigen
Wichtigster Vorbehaltdas Bild ist stark romantisiert; Historiker nennen es teils einen Entstehungsmythos

Wie Old Guard im Bild aussieht

Old Guard steht für Leder mit Regeln: Wer dazugehören wollte, lernte die Umgangsformen von jemandem, der schon länger drin war.

Der enzyklopädische Eintrag über die Leather-Kultur fasst das klassische Bild zusammen: Die Old Guard wird meist als geschlossene, enge Gemeinschaft gleichgesinnter Männer dargestellt, etwa in Form von Motorradclubs, die eine einheitliche hierarchische Reihe von BDSM-Praktiken nach militärischem Modell entwickelten. Denk an eine feste Rangordnung, an Protokolle, die zu einem vereinbarten Zeitpunkt an- und ausgehen, und an die Idee, dass du dir dein Leder verdienst, statt es zu kaufen. Wer in den siebziger Jahren als Neuling in eine Lederbar kam, bekam nicht gleich alles zu hören; man las die Stimmung ab und folgte dem, der dastand.

Woher Old Guard kommt

Old Guard wurzelt in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Laut dem enzyklopädischen Eintrag bestand ein guter Teil der frühen Leder-Gemeinschaft aus heimgekehrten queeren Militärangehörigen, die sich 1945 und 1946 in großen amerikanischen Städten sammelten. Aus diesen Kreisen, und aus der Nachkriegs-Motorradclubkultur, kommt das militärische Modell, auf das sich das Protokoll stützt.

Der Begriff selbst entstand größtenteils im Nachhinein. Die Anthropologin Gayle Rubin, die die Leder-Szene von San Francisco ab 1978 von innen studierte und darüber 1994 promovierte, schrieb in “Old Guard, New Guard”, dass “the shorthand terms can exagerrate and oversimplify our past and our present.” Ihr zufolge sind die meisten Unterschiede “more a matter of degree than absolute distinctions”, und viele Menschen behandeln heute so ziemlich alles von vor den achtziger Jahren als “old guard”, während die Szene damals schon mehrere Umbrüche hinter sich hatte.

Warum Old Guard Menschen anzieht

Der Reiz von Old Guard liegt in Klarheit und Gewicht. Feste Protokolle nehmen die Unsicherheit aus einer Begegnung: Jeder weiß, was von ihm erwartet wird, und gerade diese Begrenzung gibt Ruhe und Ladung.

Was es bringt, ist bei jedem anders. Wer gern dient, bekommt durch eine Rangordnung einen klaren Platz und das Gefühl, sich etwas zu verdienen, statt es geschenkt zu bekommen. Wer führt, bekommt durch Protokoll einen Rahmen, in dem nichts dem Zufall überlassen wird. Und für ein Paar oder eine Gruppe schafft ein geteiltes Ritual eine Bindung und eine Geschichte, die lose Absprachen nicht geben.

Was Old Guard nicht bringt, ist ein Gütesiegel. Strenger ist nicht ernster und nicht sicherer; es ist ein Geschmack und ein Stil. Wer Protokoll mit Qualität verwechselt, schaut auf die Form und nicht auf die Bindung darunter.

Was Old Guard nicht ist

“Old guard ist eine präzise, dokumentierte Tradition.” Nein, und das ist gerade der Punkt. Der enzyklopädische Eintrag nennt die Anfangszeit so stark romantisiert, dass manche sie den Entstehungsmythos der Leder-Szene nennen. Rubin zeigt, dass in den fünfziger Jahren schon mehrere Stile nebeneinander bestanden, von formell-militärisch bis zu rauen Bikern.

“Old guard und New Guard sind zwei scharf getrennte Lager.” Sie werden oft als Gegenpole hingestellt, streng gegenüber leger, aber in der Praxis gehen sie ineinander über. Der Unterschied ist einer des Grades, nicht der Art.

“Old guard ist dasselbe wie High Protocol.” High Protocol ist eine Umgangsform, die du heute an jedem Abend abmachen kannst. Old Guard verweist auf eine historische Tradition und eine Gemeinschaft. Du kannst High Protocol machen, ohne irgendetwas mit Old Guard zu tun zu haben.

Was ich selbst davon sehe

Ich bin Victor, Gigolo, fünfundzwanzig Jahre im BDSM aktiv und ausgebildet als Psychotherapeut. Old Guard höre ich vor allem als ein Verlangen nach Klarheit, nicht nach Geschichte. Frauen, die danach fragen, wollen selten einen Motorradclub aus 1965; sie wollen wissen, dass es Regeln gibt und dass jemand sie hält.

Was mir auffällt, ist, wie oft das Wort als Autorität benutzt wird: “so gehört es sich, das ist old guard.” Dann frage ich nach, denn eine Tradition ist kein Beweis. Die Protokolle, die funktionieren, funktionieren, weil ihr sie gemeinsam wählt, nicht weil jemand in den siebziger Jahren es so machte.

Was du selbst tun kannst

  • Frag nach, wenn jemand “old guard” als Regel benutzt. Eine Tradition ist kein Argument; was zählt, ist, ob eine Absprache für euch funktioniert.
  • Wähl das Protokoll, das zu dir passt, von High Protocol bis Low Protocol, statt ein historisches Modell zu übernehmen, weil es strenger klingt.
  • Sprich ab, wann das Protokoll an- und ausgeht. Auch in der strengsten Form gilt es zwischen einem Anfang und einem Ende, nicht den ganzen Tag.
  • Miss die Bindung, nicht die Form. Strenger fühlt sich ernster an, sagt aber nichts darüber, wie sicher oder wie gut ein Verhältnis ist.

Mehr über Old Guard erfahren

Auf dieser Seite stehen die zwei Stellungen des Protokolls bei High Protocol und Low Protocol. Was Protokoll genau regelt, liest du bei Protokoll.

Außerhalb dieser Seite gibt der enzyklopädische Eintrag über die Leather-Kultur das klassische Bild mit Quellen, und der Essay “Old Guard, New Guard” von Gayle Rubin nuanciert dieses Bild aus ihren Jahren der Forschung in der Szene.

Wo das auf dieser Seite passt

Reizt es dich, dass es klare Regeln gibt und dass jemand sie hält, dann musst du dafür keine ganze Tradition übernehmen. Auf der Seite über das BDSM-Date steht, wie wir vorher abmachen, wie viel Struktur du willst, von locker bis streng, und wie das während des Abends funktioniert.

Quellen

  • Leather subculture. Wikipedia. Liefert das klassische Bild der Old Guard als geschlossene Männergemeinschaft mit einer hierarchischen High-Protocol-Reihe von BDSM-Praktiken nach militärischem Modell, den Nachkriegsursprung bei heimgekehrten queeren Militärangehörigen 1945 und 1946, und die Feststellung, dass diese Anfangszeit so romantisiert ist, dass manche sie den Entstehungsmythos der Leder-Szene nennen.
  • Old Guard, New Guard. Gayle Rubin, Cuir Underground 4.2, 1998, nach einem Vortrag von 1997. Liefert die Einsicht, dass die Begriffe old guard und new guard Vergangenheit und Gegenwart übertreiben und vereinfachen, dass die Unterschiede eher eine Frage des Grades als der Art sind, und dass in den fünfziger Jahren schon mehrere Stile nebeneinander bestanden.
  • Gayle Rubin. Wikipedia. Liefert den Hintergrund, dass Rubin die homosexuelle Leder-Szene von San Francisco ab 1978 als Anthropologin studierte und darüber 1994 mit der Dissertation “The Valley of the Kings: Leathermen in San Francisco, 1960-1990” promovierte.

Verwandte Begriffe

  • New Guard. Das freiere, offenere Gegenstück, das nach der Old Guard kam.
  • High Protocol. Die schwer aufgezogene Umgangsform, die mit der Old Guard verbunden wird.
  • Low Protocol. Die lockerere Stellung desselben Protokolls, näher an dem, wofür die New Guard steht.
  • Protokoll. Was ein Protokoll genau regelt, unabhängig davon, aus welcher Tradition es kommt.
  • Szene. Die Gemeinschaft, in der Old Guard als Begriff und als Umgangsform besteht.

Häufig gestellte Fragen

Was Menschen noch zu Old Guard fragen.

  1. Was ist Old Guard?

    Old Guard ist die ältere, stark strukturierte Leather-Tradition mit festen Protokollen, Rängen und Ritualen. Im gängigen Bild musstest du dir innerhalb einer geschlossenen Männergemeinschaft deinen Platz und dein Leder verdienen, mit High Protocol nach militärischem Modell. Der Old Guard gegenüber steht die New Guard, die lockerer mit den Regeln umgeht.

  2. Was ist der Unterschied zwischen Old Guard und New Guard?

    Old Guard steht für die strenge, geregelte Tradition, New Guard für den freieren Umgang mit Regeln. Sie werden oft als Gegenpole hingestellt, aber in der Praxis gehen sie ineinander über. Der Unterschied ist eher einer des Grades als der zweier getrennter Lager.

  3. Ist Old Guard eine echte Tradition oder ein Mythos?

    Beides ein bisschen. Es gab eine Nachkriegs-Leder-Gemeinschaft mit Protokoll und Hierarchie, aber das Bild wurde später stark romantisiert. Die Anthropologin Gayle Rubin, die die Szene jahrelang erforschte, nennt den Gegensatz Old Guard gegenüber New Guard übertrieben: Die Unterschiede sind eher eine Frage des Grades als der Art.

  4. Ist Old Guard dasselbe wie High Protocol?

    Nein. High Protocol ist eine Umgangsform, die du heute an jedem Abend abmachen kannst. Old Guard verweist auf eine historische Tradition und eine Gemeinschaft. Du kannst High Protocol machen, ohne irgendetwas mit Old Guard zu tun zu haben, und das ist auch am häufigsten der Fall.

  5. An wen kannst du dich mit Fragen zu Old Guard wenden?

    An Victor, Gigolo mit fünfundzwanzig Jahren Erfahrung im BDSM und einem Hintergrund als Psychotherapeut. Oft steckt unter der Frage nach Old Guard ein Verlangen nach klaren Regeln, und darüber redet er gern. Unverbindlich eine Nachricht schicken kannst du über das Kontaktformular oder erst kostenlos chatten.

Blog

Artikel über die ungeschriebenen Regeln einer Szene

Old Guard dreht sich um Protokoll und um das Ablesen dessen, wie es sich gehört. Dieser Artikel handelt von genau dem: einen Abend betreten, an dem die Regeln schon feststehen.

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Ich bin Victor. Reizt es dich, dass es klare Regeln gibt und dass jemand sie hält? Dafür musst du keine ganze Tradition übernehmen. Schick mir eine Nachricht, keine Verpflichtung, ich schreibe dir in Ruhe zurück.

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