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Ein Abend nur für dich: warum das kein Egoismus ist

Es gibt Frauen, die für jeden alles regeln, und für die der Gedanke an einen Abend für sich selbst fast körperlich unangenehm ist. Nicht, weil sie ihn nicht will. Sondern weil er sich anfühlt, als würde sie jemand anderem etwas wegnehmen.
Wenn du dich darin wiedererkennst, dann geht es hier um dich.
Woher dieses Unbehagen kommt
Für viele Frauen ist das Sorgen für andere keine Aufgabe mehr, sondern eine Identität. Du bist die, die den Überblick behält, die daran denkt, die es regelt. Das bringt Anerkennung, und es bringt etwas Wichtigeres: einen Platz. Du weißt, wo du stehst.
Das Problem ist, dass so ein Platz keinen Raum lässt für etwas, das einem anderen nichts bringt. Ein Abend, der sich nur um dich dreht, passt nirgends in dieses System, und deshalb fühlt er sich falsch an. Nicht, weil er falsch ist, sondern weil es keine Schublade dafür gibt.
Verstärkt wird das dadurch, dass niemand es von dir verlangt. Kein Partner sagt dir, dass du zu wenig an dich denkst, kein Kind findet, dass du öfter mal raus solltest. Fürsorge fällt selten auf, solange sie da ist.
Der Unterschied zum Verwöhnen
Das ist nicht dasselbe wie ein Tag in der Sauna oder eine neue Jacke, und genau dieser Unterschied ist der Kern.
Verwöhnen heißt, einem Leben, das schon voll ist, noch etwas hinzuzufügen. Es kostet Zeit, es ist angenehm, und an der Rolle, die du spielst, ändert es nichts. Du bist immer noch die, die alles regelt, nur mit einer Massage zwischendurch.
Worum es hier geht, ist etwas anderes: ein paar Stunden, in denen du nicht die bist, die etwas muss. Keine Fragen beantworten, auf niemanden Rücksicht nehmen, deine Aufmerksamkeit nicht aufteilen. Das ist kein Luxus, sondern ein Rollenwechsel, und der ist für viele Frauen seltener als ein Urlaub.
Warum Aufmerksamkeit, die nur in eine Richtung geht, so ungewohnt ist
In jeder Beziehung ist Aufmerksamkeit gegenseitig. Er erzählt auch von seinem Tag, er will auch etwas, da ist auch eine Erwartung. Das ist nicht falsch, das ist eben eine Beziehung.
Aber es heißt, dass es nie einen Abend gibt, der nur in eine Richtung läuft. Sogar ein Geburtstag hat Gäste. Sogar ein Geschenk verlangt eine Reaktion.
Was Frauen, die zu mir kommen, am häufigsten sagen, ist nicht die Intimität. Es ist, dass sie ein paar Stunden lang nichts mussten. Nicht nett sein, nicht interessiert tun. Und dass sie nicht mehr wussten, wann das zuletzt so war.
Die Rechnung, die nicht aufgeht
Das Argument gegen so einen Abend ist meistens eine Rechnung: die Zeit und das Geld kann ich besser für etwas anderes verwenden.
Diese Rechnung geht selten auf. Wer chronisch alles für andere tut, wird darin mit der Zeit schlechter: kürzere Zündschnur, mehr Autopilot. Es ist nichts Edles daran, weiterzumachen, bis du leer bist, und die Menschen um dich herum merken es früher als du.
Das ist kein Plädoyer, mich zu buchen. Es ist eine Korrektur an der Vorstellung, dass an dich zu denken auf Kosten anderer geht. In der Praxis ist es genau umgekehrt.
Was so ein Abend sein kann
Nicht unbedingt Sex. Das ist vielleicht das Wichtigste an diesem ganzen Text.
Für manche Frauen ist es ein Essen mit einem Gespräch, das über nichts gehen muss. Für andere ein Abend auf dem Sofa mit jemandem, der zuhört, ohne eine Lösung anzubieten. Für wieder andere Berührung, ohne dass etwas erwartet wird: gehalten werden, mehr nicht.
Es gab ganze Abende, an denen nichts anderes passiert ist als reden, und die waren nicht weniger wert. Du bezahlst für Zeit und Aufmerksamkeit, wohin die geht, bestimmst du selbst, auch wenn sich das mittendrin ändert.
Die Scham, die dazugehört
Fast jede, die das macht, hadert zuerst mit dem Gedanken, dass es armselig ist. Für Aufmerksamkeit bezahlen. Das sollte doch von allein kommen, oder?
Diese Vorstellung stammt aus einem alten Denken: dass Aufmerksamkeit nur echt ist, wenn sie gratis ist, und dass du sie dir also verdient haben musst. Wer dafür bezahlt, hat sie offenbar nicht bekommen.
Das stimmt nicht. Du bezahlst an zehn anderen Stellen in deinem Leben für Zeit und Aufmerksamkeit, ohne dass jemand etwas dabei findet: beim Friseur, bei einem Coach. Dass es hier um Nähe geht, macht es beladen, nicht armselig.
Wo du anfangen kannst
Klein. Ein Gespräch, ein Kaffeedate, oder einfach eine Frage stellen, ohne etwas festzulegen. Das kostet nichts und verpflichtet dich zu nichts.
Was sonst noch möglich ist, steht bei Intimes Beisammensein, inklusive der Option, bei der nichts weiter passiert als reden. Und wenn dich vor allem die Frage umtreibt, ob das etwas für jemanden wie dich ist: die Frage stellt fast jede, und die Antwort war bisher immer ja.
