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Nahaufnahme eines aufgeschlagenen Buches mit einem Bleistift zwischen den Seiten, in Schwarzweiß

Glossar

Ambiamorös

Ein Wort aus dem Jahr 2017, erfunden, um sagen zu können, dass monogam und polyamor keine zwei Lager sind, sondern eine Skala.

Was ist ambiamorös?

Ambiamorös (englisch: ambiamorous) beschreibt jemanden, der sich in einer monogamen genauso wohlfühlt wie in einer polyamoren Beziehung, ohne klare Vorliebe. Es geht nicht um eine Beziehungsform, sondern darum, wie sich jemand zu Beziehungsformen verhält. Welche der beiden es wird, hängt von der Situation und von den Menschen ab.

Englischer Begriffambiamorous; das Substantiv ist ambiamory
Was es beschreibteine Haltung gegenüber Beziehungsformen, keine Beziehungsform selbst
Erfunden vonPage Turner auf Poly.Land, 17. April 2017, nach einem früheren Fund auf Tumblr
Wogegen es sich richtetedie Vorstellung, dass monogam und polyamor zwei Lager ohne Zwischenfeld sind
Deutsche Schreibweiseambiamorös, mit der gewöhnlichen deutschen Endung
Wie viel Mittelfeld es gibt16,8 Prozent von 3.438 amerikanischen Singles wollten Polyamorie, 10,7 Prozent hatten es getan

Woher das Wort kommt

Aus einem Blogbeitrag darüber, warum Mono-Poly-Beziehungen so oft scheitern.

Page Turner schrieb am 17. April 2017 auf Poly.Land, dass es schwer ist, eine gangbare Mitte zwischen zwei Dingen zu finden, wenn man überzeugt ist, dass diese Mitte gar nicht existieren kann. Ihr Vergleich: schwul und hetero sind Orientierungen, und bi ist es auch.

Über ihre Wortwahl ist sie deutlich. “I thought on word roots for a bit before I decided to go with ‘ambiamorous’.” Biamorös fiel weg, weil das schon etwas anderes bedeutet, nämlich romantische Anziehung zu mehreren Geschlechtern. Als sie ihren eigenen Fund nachschlug, stieß sie auf jemanden, der sich The Moorcat nennt und das Wort schon in einem Interview benutzt hatte.

Es ist also kein Fachbegriff und keine Diagnose. Es ist ein Wort, das jemand erfand, um etwas sagen zu können, das ohne dieses Wort jedes Mal einen ganzen Absatz kostete.

Wie groß dieses Mittelfeld ist

Größer, als die Diskussion vermuten lässt, und das ist tatsächlich gemessen worden.

Amy Moors, Amanda Gesselman und Justin Garcia befragten in Frontiers in Psychology eine an der amerikanischen Volkszählung ausgerichtete Quotenstichprobe von 3.438 alleinstehenden Erwachsenen. Einer von sechs (16,8 Prozent) wollte irgendwann einmal Polyamorie eingehen, und einer von neun (10,7 Prozent) hatte das zu einem Zeitpunkt im Leben getan.

Von den Menschen, die selbst kein Interesse daran hatten, sagte einer von sieben (14,2 Prozent), Respekt dafür zu haben. Wenige soziodemografische Merkmale hingen damit zusammen: Es gab keinen Unterschied nach politischer Vorliebe, Einkommen, Religion, Region oder ethnischem Hintergrund.

Was bleibt: Wollen und Tun fallen bei einem beträchtlichen Teil der Menschen nicht zusammen. Genau darum geht es bei diesem Wort.

Was du damit anfangen kannst

  • Nutze es als Signal, nicht als Etikett. Es sagt vor allem, dass du für beides offen bist.
  • Rede über die Situation, nicht über die Kategorie. Laut der Erfinderin hängt die Wahl an den Menschen und am Moment.
  • Erwarte keine Anerkennung. Es ist Szenesprache aus dem Jahr 2017 und steht in keinem einzigen Wörterbuch.

Quellen

  • Desire, Familiarity, and Engagement in Polyamory: Results From a National Sample of Single Adults in the United States. Amy C. Moors, Amanda N. Gesselman & Justin R. Garcia, Frontiers in Psychology 12, 619640, 2021 (DOI 10.3389/fpsyg.2021.619640). Liefert die Stichprobe von 3.438 alleinstehenden amerikanischen Erwachsenen auf Basis von Volkszählungsquoten, den Anteil von 16,8 Prozent, der Polyamorie wünscht, die 10,7 Prozent, die sie schon einmal gelebt haben, die 6,5 Prozent, die jemanden kennen, der sie lebt oder gelebt hat, die 14,2 Prozent der Nichtinteressierten, die nach eigener Aussage Respekt dafür haben, und die Feststellung, dass keine Unterschiede nach politischer Vorliebe, Einkommen, Religion, Region oder ethnischem Hintergrund gefunden wurden.
  • To Make Mono/Poly Easier, View Monogamy and Polyamory as a Spectrum, Not a Binary. Page Turner, Poly.Land, 17. April 2017. Der Fundort, an dem das Wort seine heutige Bedeutung bekommt. Liefert das Datum, das Argument, dass ein Mittelfeld schwer zu finden ist, solange man glaubt, dass es nicht existiert, den Vergleich mit sexueller Orientierung, den Satz über die Wortwahl (“I thought on word roots for a bit before I decided to go with ‘ambiamorous’”), den Grund, warum “biamorous” wegfiel, und den Hinweis, dass sie das Wort danach schon bei jemandem verwendet fand, der sich The Moorcat nennt. Ein Blog und damit keine wissenschaftliche Quelle; er steht hier, weil er selbst der Ursprung ist.

Verwandte Begriffe

  • Ethische Nichtmonogamie. Die Kategorie, unter die die polyamore Hälfte fällt.
  • Monogamie. Die andere Hälfte, mit dem, was davon in den Niederlanden rechtlich festgelegt ist.
  • Polyamorie. Die Form, zu der sich das Mittelfeld hin bewegen kann, mit den Zahlen dazu.
  • Beziehungsanarchie. Eine dritte Position, die die Kategorien selbst infrage stellt.

Häufige Fragen

Was Menschen sonst noch dazu fragen, ambiamorös zu sein.

  1. Was bedeutet ambiamorös?

    Dass du dich in einer monogamen genauso wohlfühlst wie in einer polyamoren Beziehung, ohne klare Vorliebe. Es beschreibt keine Beziehungsform, sondern wie sich jemand zu Beziehungsformen verhält. Welche der beiden es wird, hängt laut der Erfinderin des Wortes von der Situation und von den Menschen ab.

  2. Woher kommt das Wort ambiamorös?

    Von der Bloggerin Page Turner, die es am 17. April 2017 auf Poly.Land in einem Beitrag darüber vorstellte, warum Mono-Poly-Beziehungen so oft scheitern. Sie wählte das Wort bewusst, weil “biamorous” schon etwas anderes bedeutet, und traf es danach schon bei jemandem verwendet an, der sich The Moorcat nennt. Es ist Szenesprache und kein Fachbegriff; Wörterbücher kennen es nicht.

  3. An wen kannst du dich mit Fragen dazu wenden, ambiamorös zu sein?

    An die Menschen, mit denen du eine Beziehung hast oder willst, denn dies ist ein Wort, um vor allem etwas über dich selbst zu sagen. Hakt es zwischen euch, dann ist Paartherapie der Weg, für den es Belege gibt. Mich fragen darfst du auch; ich urteile nicht darüber, wie du deine Beziehungen gestaltest.

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Noch Fragen?

Ich bin Victor. Wie du deine Beziehungen gestaltest, ist nicht meine Sache, und für ein Date macht es auch keinen Unterschied. Willst du wissen, wie ich mit Fragen zu deiner Situation umgehe, dann schreib ruhig; es ist an nichts gebunden.

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